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Wie Meta-Chef Mark Zuckerberg eine Reichensteuer umgehen will
Wirtschaft · 28.10.2026 11:17

Wie Meta-Chef Mark Zuckerberg eine Reichensteuer umgehen will

Kurz: Meta-Chef Mark Zuckerberg sichert sich durch einen Deal mit seinem Unternehmen ab, um eine drohende Reichensteuer in Kalifornien finanziell abzufedern.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Im Vorfeld der anstehenden Midterm-Wahlen in Kalifornien am 3. November steht eine weitreichende politische Entscheidung zur Debatte, die insbesondere die wohlhabendste Schicht des US-Bundesstaates betrifft. Zur Abstimmung steht die sogenannte „Proposition 40“, ein Gesetzesvorhaben, das eine einmalige Steuer in Höhe von fünf Prozent auf Nettovermögen von über einer Milliarde Dollar vorsieht. Betroffen von dieser Regelung wäre unter anderem Mark Zuckerberg, der Gründer und Chef des Technologiekonzerns Meta. Angesichts der drohenden Steuerlast, die sich für ihn auf eine Summe zwischen zehn und zwölf Milliarden Dollar belaufen könnte, hat Zuckerberg nach Berichten den Druck auf sein Unternehmen massiv erhöht. Er drohte dem Verwaltungsrat von Meta mit einem Wegzug aus Kalifornien, sollte das Unternehmen ihn bei dieser finanziellen Belastung nicht unterstützen. Um den Verbleib ihres Firmenchefs im Bundesstaat zu sichern, hat sich die Meta-Führung auf einen umstrittenen Deal eingelassen, der Zuckerberg durch eine neue Aktienklasse finanziell absichert, ohne seinen Einfluss im Konzern zu gefährden.

Die Einzelheiten des Deals

Die finanziellen Dimensionen des Vorhabens sind beträchtlich. Laut Schätzungen beläuft sich das Vermögen von Mark Zuckerberg auf mehr als 200 Milliarden Dollar. Sollte „Proposition 40“ eine Mehrheit finden, müsste der Meta-Gründer eine Steuerzahlung im zweistelligen Milliardenbereich leisten. Um diesen Verlust auszugleichen, wurde in einer Finanzmitteilung von Meta eine neue Aktienklasse ohne Stimmrecht angekündigt. Diese soll durch eine Aufspaltung bestehender Aktien im Verhältnis zwei zu eins entstehen und ab Januar gehandelt werden. Zuckerberg erhält dadurch die Möglichkeit, Anteile zu veräußern, um die Steuerlast zu begleichen, ohne dass sein aktueller Stimmrechtsanteil von 60 Prozent geschmälert wird. Im Gegenzug verpflichtete sich der Unternehmer vertraglich, für die kommenden acht Jahre weiterhin in Kalifornien zu leben. Der Verwaltungsrat von Meta rechtfertigte diesen Schritt als „von entscheidender Bedeutung“, da Zuckerbergs Präsenz vor Ort für die aktuelle strategische Transformation des Unternehmens im Bereich Künstliche Intelligenz unerlässlich sei. Der Finanzjournalist David Lazarus bezeichnete die Verhandlungen als intensiv und stellenweise kontrovers.

Hintergrund der Entwicklung

Der US-Bundesstaat Kalifornien gilt als das Epizentrum der US-Technologiebranche und beherbergt laut der Kampagnengruppe „Americans for Tax Fairness“ etwa 225 Milliardäre. Die politische Stimmung im Land hat sich in den vergangenen Monaten gewandelt, wobei Forderungen nach einer stärkeren Besteuerung der Superreichen laut wurden. Inspiration für solche Vorhaben lieferten unter anderem Politiker wie der New Yorker Bürgermeister Mamdani, der mit dem Slogan „Tax the rich“ eine Umverteilung zugunsten von Bildung und Gesundheit fordert. Die Einnahmen aus der kalifornischen „Proposition 40“ sind ebenfalls zweckgebunden für diese beiden gesellschaftlich sensiblen Bereiche vorgesehen. Die Debatte findet vor dem Hintergrund einer globalen Diskussion über soziale Spaltung und den Einfluss von Superreichen statt. Bereits im Januar 2025 hatten hunderte Millionäre in einem offenen Brief beim Weltwirtschaftsforum in Davos vor den Gefahren exzessiver Vermögenskonzentration gewarnt. Zuckerberg, der neben seinem Wohnsitz in Palo Alto auch Anwesen in Hawaii, Florida und Irland besitzt, sah sich durch die drohende Gesetzgebung in eine Position gedrängt, die ihn zu einer Entscheidung zwischen seinem Wohnort und seinem Vermögen zwang.

Die Beteiligten und ihre Rollen

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht Mark Zuckerberg als Hauptbetroffener der geplanten Steuergesetzgebung. Auf der Gegenseite agiert die kalifornische Wählerschaft, die am 3. November über die Einführung der Steuer abstimmt. Innerhalb von Meta spielt der Verwaltungsrat eine Schlüsselrolle, da er dem Ultimatum Zuckerbergs nachgab, um einen Wegzug des Firmenchefs zu verhindern. Der Finanzjournalist David Lazarus hat die internen Vorgänge bei Meta kritisch beleuchtet und die Beweggründe des Verwaltungsrates analysiert. Zudem gibt es eine Allianz aus einflussreichen Tech-Milliardären, die sich gegen die Reichensteuer formiert hat. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem der Google-Mitbegründer Sergey Brin, der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt sowie der Palantir-Mitbegründer Peter Thiel. Diese Persönlichkeiten investieren hohe Summen, um die Einführung der „Proposition 40“ zu verhindern. Sie bilden damit ein Gegengewicht zu den politischen Kräften, die eine stärkere steuerliche Belastung der Superreichen anstreben, und verdeutlichen die Machtkonzentration innerhalb der kalifornischen Tech-Elite.

Einordnung der Geschehnisse

Einzuordnen ist das Vorgehen von Meta als eine strategische Reaktion auf die drohende Abwanderung einer zentralen Führungspersönlichkeit. Den Berichten zufolge fürchtete der Verwaltungsrat, dass ein Verkauf von Zuckerbergs Anwesen in Palo Alto ein Signal senden könnte, das nicht nur die öffentliche Wahrnehmung des Unternehmens negativ beeinflusst, sondern auch eine Debatte über die Privilegien des Chefs innerhalb der Belegschaft befeuert hätte. Ein solches Szenario wollte die Führungsebene unter allen Umständen vermeiden. Kritisch zu betrachten ist jedoch die langfristige Wirkung auf die Aktionärsstruktur. Durch die Ausgabe der neuen Aktienklasse werden die Anteile der übrigen Aktionäre am Unternehmensgewinn indirekt verwässert, während Zuckerbergs Kontrolle über den Konzern unangetastet bleibt. Experten wie Lazarus werfen die Frage auf, ob ein solches Vorgehen den Ruf des Unternehmens schädigen könnte, wenn der Eindruck entsteht, dass die Allgemeinheit der Aktionäre für die persönliche Steuerlast des Gründers aufkommt. Die Zweckbindung der Steuergelder für Bildung und Gesundheit macht die Debatte zudem ethisch komplex, da es sich um gesellschaftlich positiv besetzte Investitionsfelder handelt.

Offene Fragen zur Situation

Der vorliegende Quelltext lässt einige wesentliche Fragen unbeantwortet, die für das Verständnis der langfristigen Folgen von Bedeutung wären. Es bleibt unklar, wie die breite Masse der Meta-Aktionäre auf die Verwässerung ihrer Anteile reagiert hat. Ebenso fehlen detaillierte Informationen darüber, ob es rechtliche Hürden für die geplante Aktienumstrukturierung gibt oder ob die Aufsichtsbehörden Bedenken gegen dieses Modell angemeldet haben. Ein weiterer Punkt, der nicht explizit geklärt wird, ist die Frage, wie die kalifornische Öffentlichkeit auf den Deal reagiert. Während bekannt ist, dass Tech-Milliardäre massiv gegen die Steuer mobilisieren, bleibt offen, ob die Bevölkerung Zuckerbergs Verhalten als legitime unternehmerische Entscheidung oder als Umgehung demokratisch legitimierter Steuerpflichten wahrnimmt. Zudem gibt es keine Informationen darüber, ob andere Unternehmen ähnliche Absicherungsmodelle für ihre Führungskräfte planen, sollte sich der Trend zur Besteuerung von Superreichen in anderen US-Bundesstaaten fortsetzen. Auch die konkreten Auswirkungen auf die Unternehmenskultur bei Meta nach Bekanntwerden der Sonderprivilegien für den Chef werden im Text nicht weiter beleuchtet.

Wie es weitergeht

Der entscheidende Termin ist der 3. November, an dem die Wahlberechtigten in Kalifornien über die „Proposition 40“ abstimmen werden. Unabhängig vom Ausgang dieser Wahl hat die Vereinbarung zwischen Zuckerberg und Meta bereits Bestand. Der Deal ist auf einen Zeitraum von acht Jahren ausgelegt, sofern Zuckerberg seinen Wohnsitz in Kalifornien beibehält. Die Einführung der neuen Aktienklasse ist für Januar geplant, ab diesem Zeitpunkt sollen die Papiere gehandelt werden. Sollte die Steuer tatsächlich eingeführt werden, wird die Umsetzung der Aktienaufspaltung und der anschließende Verkauf der Anteile durch Zuckerberg die nächsten Schritte in diesem Prozess markieren. Die politische Debatte über die Besteuerung von Superreichen in den USA dürfte jedoch auch nach den Midterms anhalten, da das Thema der sozialen Ungleichheit und der Finanzierung öffentlicher Infrastruktur weiterhin ein zentraler Streitpunkt zwischen den politischen Lagern bleibt. Die Entwicklung bei Meta wird dabei als ein Präzedenzfall für den Umgang von Großkonzernen mit lokalpolitischen Steuerinitiativen dienen, die ihre Top-Führungskräfte direkt betreffen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/geld-munzen-banknoten-geldscheine-6778651/ · Foto: Alesia Kozik
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/zuckerberg-reichensteuer-usa-100.html