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Gedenkfeier zu den Novemberpogromen im Rathaus
Regional · 28.10.2026 11:45

Gedenkfeier zu den Novemberpogromen im Rathaus

Kurz: Die Stadt Kassel und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit laden am 8. November zu einer Gedenkfeier für die Opfer der Novemberpogrome ein.

Ein Zeichen gegen das Vergessen: Die Gedenkfeier im Kasseler Rathaus

Die Stadt Kassel setzt gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ein deutliches Zeichen gegen das Vergessen. Am Sonntag, den 8. November 2026, findet im Bürgersaal des Kasseler Rathauses eine zentrale Gedenkveranstaltung statt, die an die Novemberpogrome des Jahres 1938 erinnert. Die Veranstaltung beginnt offiziell um 15 Uhr und widmet sich in diesem Jahr einer besonders drängenden Fragestellung: Wie können Bildungseinrichtungen und Gedenkstätten effektiv auf die zunehmenden Angriffe auf die etablierte Erinnerungskultur reagieren? Die Feier dient als Ort des Innehaltens, um der Entrechtung, der systematischen Verfolgung sowie der Ermordung jüdischer Menschen während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu gedenken. Es ist ein Anlass, der nicht nur zurückblickt, sondern die Relevanz des Erinnerns für die heutige demokratische Gesellschaft in den Mittelpunkt rückt. Die Stadt Kassel betont damit ihre Verantwortung, das Wissen um die Verbrechen des Holocaust wachzuhalten und sich aktiv gegen geschichtsrevisionistische Tendenzen zu stellen, die das gesellschaftliche Miteinander bedrohen könnten.

Der Ablauf des Gedenktages im Detail

Der Gedenktag beginnt bereits am Vormittag. Um 11 Uhr findet eine Kranzniederlegung auf dem alten jüdischen Friedhof am Fasanenweg statt, um den jüdischen Opfern des Nationalsozialismus in einem würdigen Rahmen zu gedenken. Der Hauptteil der Veranstaltung im Rathaus wird durch Grußworte von Oberbürgermeister Dr. Sven Schoeller und Eveline Valtink von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit eröffnet. Im Anschluss hält Prof. Dr. Jens-Christian Wagner, der als Historiker und Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora fungiert, einen Vortrag mit dem Titel „Gedenkstätten unter Druck – Angriffe auf die Erinnerungskultur“. Nach diesem inhaltlichen Impuls haben die Gäste die Gelegenheit, in einen direkten Austausch zu treten; dieses Publikumsgespräch wird von Mark-Christian von Busse moderiert. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung durch die Camerata Kassel unter der Leitung von Maria Radzikhovskiy, wobei die ausgewählten Werke gezielt das Schicksal und die Verfolgung jüdischer Menschen thematisieren. Ergänzt wird das Programm durch einen Beitrag von Schülerinnen und Schülern der Arnold-Bode-Schule sowie ein Gedenkgebet, das von Rabbiner Shaul Nekrich gesprochen wird.

Hintergründe und die Bedrohung der Erinnerungskultur

Der Vortrag von Prof. Dr. Jens-Christian Wagner greift eine Problematik auf, die in den vergangenen Jahren an Schärfe gewonnen hat. Es geht um die Herausforderungen, die durch geschichtsrevisionistische Erzählungen entstehen. Dabei steht insbesondere die Verharmlosung der nationalsozialistischen Verbrechen durch rechtspopulistische Akteure im Fokus der Analyse. Die Veranstaltung stellt die Frage, wie sich das Gedenken an den Holocaust und die NS-Gewaltherrschaft in einer Zeit verändern muss, in der Zeitzeugen zunehmend verstummen und historische Fakten vermehrt angezweifelt werden. Es wird diskutiert, welche Rolle die historisch-politische Bildung in diesem Prozess spielt. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Wissen in traditionellen Bildungsformaten, sondern explizit auch um die Kommunikation in den Sozialen Medien und den direkten persönlichen Austausch. Die Veranstaltung zielt darauf ab, Wege aufzuzeigen, wie das Erinnern lebendig gehalten werden kann, um die demokratischen Werte und das gesellschaftliche Zusammenleben gegen Anfeindungen zu schützen und zu stärken.

Die Akteure hinter der Gedenkveranstaltung

Die Organisation und Durchführung der Gedenkfeier liegt in den Händen der Stadt Kassel und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit unterstreicht den gesellschaftsübergreifenden Charakter des Gedenkens. Unterstützt wird das Vorhaben durch ein breites Bündnis verschiedener Institutionen, die sich der Erinnerungsarbeit und der Demokratieförderung verpflichtet fühlen. Zu den Unterstützern zählen der Evangelische Stadtkirchenkreis Kassel sowie das Katholische Dekanat Kassel, die ihre religiöse und gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Auch die VHS Region Kassel, die Gedenkstätte Breitenau, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und das Sara Nussbaum Zentrum sind maßgeblich an der Unterstützung beteiligt. Komplettiert wird dieser Kreis durch den Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“. Die Beteiligung dieser vielfältigen Akteure verdeutlicht, dass das Gedenken an die Novemberpogrome eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die über einzelne Institutionen hinausgeht und ein breites Fundament in der Kasseler Stadtgesellschaft besitzt.

Einordnung der aktuellen Herausforderungen

Einzuordnen ist diese Veranstaltung als eine direkte Reaktion auf gesellschaftliche Spannungen. Den Berichten zufolge ist die Erinnerungskultur in Deutschland derzeit einem erheblichen Druck ausgesetzt. Die Thematisierung von „Gedenkstätten unter Druck“ deutet darauf hin, dass die Institutionen, die das Wissen über den Holocaust bewahren, zunehmend in den Fokus von Angriffen geraten. Die Einladung zum Dialog mit dem Publikum unterstreicht, dass es den Veranstaltern nicht um eine einseitige Vermittlung geht, sondern um eine aktive Auseinandersetzung. Die Einbindung junger Menschen, wie durch die Schülerinnen und Schüler der Arnold-Bode-Schule, zeigt den Anspruch, die Erinnerung an kommende Generationen weiterzugeben. Die Veranstaltung ist somit mehr als ein bloßes Gedenken; sie ist ein politisches Signal für den Erhalt demokratischer Grundwerte. Die Wahl der Referenten und die Einbindung der verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen signalisieren, dass die Stadt Kassel gewillt ist, den Diskurs über die Bedeutung der Geschichte aktiv zu führen und sich gegen Tendenzen der Verharmlosung zu positionieren.

Offene Fragen und Lücken im Informationsstand

Der vorliegende Quelltext lässt einige Aspekte der Veranstaltung offen, die für Interessierte von Bedeutung sein könnten. So wird nicht explizit dargelegt, welche spezifischen „Angriffe auf die Erinnerungskultur“ in Kassel oder der Region in der jüngeren Vergangenheit stattgefunden haben, auf die sich die Veranstalter beziehen. Auch bleibt unklar, ob es für die Teilnahme an der Gedenkfeier im Bürgersaal eine vorherige Anmeldung oder Platzreservierung bedarf, da hierzu keine Angaben gemacht wurden. Des Weiteren wird nicht detailliert beschrieben, in welcher Form die Schülerinnen und Schüler der Arnold-Bode-Schule ihren Beitrag gestalten werden – ob es sich um eine künstlerische Performance, einen Sachtext oder eine persönliche Reflexion handelt, bleibt offen. Auch die Frage, wie genau die „Sozialen Medien“ als Ort der historisch-politischen Bildung in der Praxis der Gedenkstätten genutzt werden sollen, wird im Rahmen der Ankündigung nur oberflächlich angerissen. Diese Lücken in der Information lassen Raum für die inhaltliche Ausgestaltung vor Ort, bieten jedoch keine konkreten Details für potenzielle Besucher, die sich im Vorfeld über die genaue Art der Beiträge informieren möchten.

Ausblick auf die weitere Entwicklung

Die Gedenkfeier am 8. November stellt einen zentralen Termin im Kasseler Kalender dar. Mit der Kranzniederlegung um 11 Uhr und der anschließenden Feierstunde um 15 Uhr ist ein klarer zeitlicher Rahmen gesetzt. Über die Veranstaltung hinaus bleibt die Frage bestehen, wie die in den Vorträgen und Diskussionen erarbeiteten Ansätze in die zukünftige Bildungsarbeit der beteiligten Institutionen, wie etwa der VHS Region Kassel oder der Gedenkstätte Breitenau, einfließen werden. Die Veranstaltung fungiert somit als ein wichtiger Impulsgeber für die weitere Arbeit der beteiligten Organisationen. Es ist davon auszugehen, dass die dort geführten Diskussionen über die Herausforderungen durch geschichtsrevisionistische Erzählungen auch nach dem 8. November die Arbeit der Gedenkstätten und Bildungseinrichtungen in Kassel prägen werden. Die Stadt und ihre Partner setzen damit einen Prozess fort, der das Ziel verfolgt, die Erinnerung an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft wachzuhalten und gleichzeitig die Resilienz der Gesellschaft gegenüber antidemokratischen Strömungen langfristig zu stärken.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-wahrzeichen-reise-reisen-18688138/ · Foto: Anastasiya Badun
Quelle: https://www.kassel.de/pressemitteilungen/oktober/novemberpogrome.php