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In Paris: Spektakuläre Werke von Claude Monet kommen zur Auktion
Kultur · 19.10.2026 09:27

In Paris: Spektakuläre Werke von Claude Monet kommen zur Auktion

Kurz: Paris steht im Zeichen der Kunst: Bei Sotheby's und Christie's kommen seltene Meisterwerke von Claude Monet und anderen Größen der Moderne zur Versteigerung.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

In der kommenden Woche steht Paris ganz im Zeichen des internationalen Kunstmarktes. Parallel zur Messe Art Basel findet in der französischen Hauptstadt die sogenannte „Semaine de l’Art“ statt, die von spektakulären Auktionsereignissen begleitet wird. Die beiden großen Auktionshäuser Sotheby’s und Christie’s haben für diesen Zeitraum hochkarätige Sammlungen angekündigt, die den Fokus auf die Moderne und den Impressionismus legen. Im Zentrum des Interesses stehen dabei insbesondere Werke des französischen Malers Claude Monet. Sotheby’s präsentiert unter dem Titel „Le Temps Retrouvé“ eine exklusive Auswahl aus der Sammlung der Industriellenfamilie Schlumberger, die bisher kaum der Öffentlichkeit zugänglich war. Gleichzeitig bietet Christie’s eine Kollektion an, die aus dem Besitz des legendären Kunsthändlers Paul Durand-Ruel stammt. Diese Auktionen markieren einen bedeutenden Moment für den Pariser Kunsthandel, da sie Werke von außergewöhnlicher Provenienz und historischer Relevanz auf den Markt bringen. Die Schätzpreise für die Spitzenlose bewegen sich in zweistelligen Millionenbereichen, was das enorme Interesse von Sammlern und Museen weltweit unterstreicht. Die Veranstaltungen unterstreichen die wachsende Bedeutung von Paris als zentralem Handelsplatz für moderne und zeitgenössische Kunst.

Die Einzelheiten der Auktionen

Das Auktionshaus Sotheby’s versteigert 27 Werke aus dem Schlumberger-Nachlass. Das absolute Highlight ist das großformatige Spätwerk „Iris“, das Monet in den Jahren 1924 und 1925 in Giverny malte. Mit einem Schätzpreis von 22 bis 30 Millionen Euro könnte dieses Gemälde einen neuen Rekord für ein in Frankreich versteigertes Bild aufstellen. Ein weiteres bedeutendes Werk aus dieser Sammlung ist „Saule pleurer“ von 1919, eine Darstellung einer Trauerweide, die auf neun bis zwölf Millionen Euro taxiert wird. Bei Christie’s kommen am Donnerstagabend 27 Werke aus der Sammlung von Paul Durand-Ruel unter den Hammer, ergänzt durch weitere 35 Lose in der Tagesauktion. Das Spitzenstück hier ist „Bord des falaises à Pourville“ aus dem Jahr 1882, das mit elf bis 15 Millionen Euro bewertet wird. Zudem umfasst das Angebot bei Christie’s das Stillleben „Trois pots de tulipes“ (1885) mit einer Taxe von 2,5 bis 3,5 Millionen Euro. Auch andere Künstler wie Paul Cézanne, René Magritte und Lucio Fontana sind mit hochpreisigen Werken vertreten, wobei die Gesamterwartungen für die Auktionshäuser in die Hunderte Millionen Euro gehen.

Hintergrund zur Entstehung der Sammlungen

Die Sammlung Schlumberger geht auf Jeanne Schlumberger (1889–1983) zurück, die nach dem Tod ihres Mannes, des Unternehmers Marcel Schlumberger, in den 1950er Jahren begann, Kunst zu erwerben. Ihre maßgebliche Beraterin war die Pariser Galeristin Katia Granoff (1895–1989), mit der sie über drei Jahrzehnte eine enge geschäftliche und freundschaftliche Beziehung pflegte. Granoff hatte viele der Werke direkt aus dem Nachlass des Künstlers oder dessen Sohn Michel Monet erworben. Die Sammlung zeichnet den Weg in die Moderne nach und umfasst neben Monet auch Arbeiten von Paul Cézanne, Gustave Moreau, Chaïm Soutine und Kees van Dongen. Die Sammlung Durand-Ruel hingegen ist eng mit der Geschichte des Impressionismus verknüpft. Paul-Marie Joseph Durand-Ruel war ein Pionier, der bereits 1859 eine Galerie gründete und die Impressionisten unterstützte, als diese noch auf breite Ablehnung stießen. Er kaufte Werke im Voraus, zahlte Gehälter und baute ein internationales Netzwerk auf, das ihm half, die Kunstrichtung in Europa und Amerika zu etablieren. Seine Sammlung blieb über Generationen hinweg teilweise in Familienbesitz.

Die Beteiligten und Entscheidungsträger

Die Akteure hinter diesen Auktionen sind sowohl historische Persönlichkeiten als auch moderne Institutionen. Jeanne Schlumberger und ihre Beraterin Katia Granoff sind die zentralen Figuren der Schlumberger-Kollektion, deren Weitsicht es ermöglichte, diese bedeutenden Werke zu sichern. Auf der Seite der Vermittler steht heute das Auktionshaus Sotheby’s, welches die Sammlung nun der Öffentlichkeit präsentiert. Bei Christie’s, das zum Unternehmen von François Pinault gehört, steht die historische Figur des Paul Durand-Ruel im Mittelpunkt. Er gilt als der entscheidende Wegbereiter für Monet und seine Zeitgenossen. Neben diesen Häusern tritt nun auch das Auktionshaus Phillips in den Pariser Markt ein, das in den Räumen der Galerie Aveline gegenüber dem Élysée-Palast operiert. Hier wird unter anderem die Sammlung von Marcel Brient versteigert, der durch eine Zufallsbegegnung zu einem der bedeutendsten Sammler Frankreichs avancierte. Diese Akteure bestimmen durch ihre Auswahl und Präsentation maßgeblich, welche Werke in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und welche finanziellen Rekorde angestrebt werden.

Einordnung der Marktsituation

Einzuordnen ist das Auktionsgeschehen als ein Zeichen für die ungebrochene Anziehungskraft des Pariser Kunstmarktes. Die Tatsache, dass Werke von solch hoher Qualität und Provenienz – oft erstmals öffentlich gezeigt – auf den Markt kommen, spricht für das Vertrauen der Sammler in den Standort Paris. Den Berichten zufolge ist der Zustand der Werke, insbesondere des Monet-Gemäldes „Iris“, außergewöhnlich gut, da es frei von Firnis blieb und selten transportiert wurde. Dies erhöht den Marktwert erheblich. Die Kombination aus der „Semaine de l’Art“ und der Art Basel schafft eine Synergie, die internationale Käufer anzieht. Die hohen Schätzpreise spiegeln nicht nur den historischen Wert der Impressionisten wider, sondern auch die anhaltende Nachfrage nach „marktfrischen“ Objekten. Dass auch zeitgenössische Künstler wie Joan Mitchell oder Lucio Fontana in den Auktionskatalogen prominent platziert sind, zeigt, dass die Auktionshäuser ein breites Spektrum abdecken wollen, um verschiedene Sammlersegmente zu bedienen und die Liquidität des Marktes zu maximieren.

Offene Fragen zum Auktionsgeschehen

Obwohl die Auktionshäuser detaillierte Informationen zu den Losen bereitstellen, bleiben einige Aspekte unbeantwortet. Es ist beispielsweise nicht explizit geklärt, warum die Eigentümer der Sammlung Schlumberger sich gerade jetzt dazu entschlossen haben, die Werke nach Jahrzehnten der privaten Verwahrung in die Öffentlichkeit zu bringen. Auch über die genauen Identitäten der potenziellen Bieter oder die Strategien der Museen, die möglicherweise an den Werken interessiert sind, gibt es keine Informationen. Der Quelltext macht zudem keine Angaben dazu, wie sich die allgemeine wirtschaftliche Lage auf das Bieterverhalten auswirken könnte. Ebenso bleibt offen, inwieweit die Konkurrenz zwischen Sotheby’s und Christie’s durch die zeitliche Nähe der Auktionen zu einer Preissteigerung führt oder ob der Markt durch das große Angebot an hochpreisigen Werken gesättigt werden könnte. Die langfristigen Auswirkungen dieser Verkäufe auf die Verfügbarkeit solcher Meisterwerke in Privatsammlungen sind ebenfalls nicht absehbar, da die Werke nach der Auktion vermutlich wieder in private Hände übergehen werden.

Wie es weitergeht

Die kommenden Tage sind entscheidend für den weiteren Verlauf der Auktionswoche. Die „Semaine de l’Art“ beginnt in der nächsten Woche und wird die Ergebnisse der verschiedenen Versteigerungen liefern. Am Mittwoch findet die Auktion von Phillips statt, während Christie’s am Donnerstagabend seine Abendauktion „20th/21st Century including Thinking Italian“ abhält. Diese Termine sind fixiert und bilden den Rahmen für die erwarteten Umsätze. Die Auktionshäuser haben ihre Schätzungen klar kommuniziert: Sotheby’s strebt einen Gesamtumsatz von 80,9 bis 115,6 Millionen Euro an, während Christie’s mit seinen insgesamt 466 Losen mehr als 100 Millionen Euro einspielen möchte. Nach Abschluss der Auktionen wird sich zeigen, ob die hohen Schätzpreise tatsächlich erzielt wurden und ob neue Rekorde für Monet oder andere Künstler aufgestellt werden konnten. Die Ergebnisse werden richtungsweisend für die Bewertung moderner Kunst in den kommenden Monaten sein und den Stellenwert von Paris als Kunsthandelsplatz weiter festigen oder in Frage stellen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-frankreich-wahrzeichen-paris-19101723/ · Foto: Adrien Olichon
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunstmarkt/auktionen-spekakulaere-werke-von-monet-bei-christie-s-und-sotheby-s-in-paris-accg-201314084.html