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Polestar 3 im Test: Der wilde Volvo-Bruder (fast) ohne Tempolimit
Auto · 30.10.2026 04:00

Polestar 3 im Test: Der wilde Volvo-Bruder (fast) ohne Tempolimit

Kurz: Polestar hat sein SUV-Modell 3 technisch umfassend überarbeitet. Mit 800-Volt-System und gesteigerter Effizienz will der Hersteller nun im Premiumsegment punkte

Die Neuausrichtung des Polestar 3

Der Polestar 3 hat eine umfassende technische Überarbeitung erfahren, die darauf abzielt, das Elektro-SUV in einem hart umkämpften Marktumfeld neu zu positionieren. Obwohl das äußere Erscheinungsbild des Fahrzeugs seit seiner Premiere im Jahr 2022 weitgehend unverändert geblieben ist, haben sich die Anforderungen an ein Premium-Elektrofahrzeug in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Mit dem Update reagiert die Marke auf den wachsenden Druck durch etablierte Konkurrenten wie den BMW iX3 oder den Mercedes GLC. Ziel der Modifikationen war es, die bisherigen Schwachstellen des Modells – insbesondere bei der Ladeleistung und der Effizienz – gezielt anzugehen. Michael Lohscheller, der deutsche Polestar-Chef, beschreibt die Änderungen als so weitreichend, dass sich das Fahrzeug nun wie ein völlig neues Modell anfühle. Ob diese Einschätzung in der Praxis Bestand hat, zeigt sich vor allem im direkten Vergleich mit den technologischen Standards der aktuellen Oberklasse, wo eine 800-Volt-Architektur mittlerweile zum guten Ton gehört. Polestar möchte mit diesem Schritt nicht nur die Performance-Werte optimieren, sondern vor allem die Alltagstauglichkeit für Langstreckenfahrer signifikant verbessern.

Technische Details und Leistungsdaten

Das Herzstück der technischen Überarbeitung bildet das neue 800-Volt-System, das eine maximale Ladeleistung von 350 kW an entsprechenden Schnellladestationen ermöglicht. Damit lässt sich der Akku, der eine Kapazität von 106 Kilowattstunden aufweist, in lediglich 22 Minuten von zehn auf achtzig Prozent aufladen. Um diesen Prozess effizient und schonend zu gestalten, setzt der Hersteller auf die Software-Lösung „Breathe Charge“. Auch beim Antrieb gab es signifikante Änderungen: Ein neu entwickelter Permanent-Synchronmotor an der Hinterachse sorgt in Kombination mit einem abschaltbaren Asynchronmotor an der Vorderachse für eine verbesserte Energiebilanz. Die getestete mittlere Motorisierung des Allradmodells liefert eine Systemleistung von 522 PS, was eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 4,7 Sekunden ermöglicht. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 230 km/h abgeregelt. Der Einstiegspreis für das Modell liegt bei 87.900 Euro, während der Testwagen mit umfangreicher Sonderausstattung einen Preis von 109.400 Euro erreicht. Die Reichweite nach WLTP-Zyklus wird mit bis zu 647 Kilometern angegeben.

Hintergrund und Entwicklung des Modells

Die Geschichte des Polestar 3 ist eng mit der strategischen Neuausrichtung der Marke verknüpft, die sich von der ehemaligen Performance-Sparte von Volvo zu einem eigenständigen Akteur auf dem globalen Markt entwickelt hat. Obwohl das schwedische Erbe und der Hauptsitz in der Nähe von Göteborg betont werden, ist der größte chinesische Automobilkonzern Geely der Mehrheitseigner hinter dem Unternehmen. Diese Konstellation spiegelt sich auch in der technischen Plattform wider, die der Polestar 3 mit dem Schwestermodell Volvo EX90 teilt. Die Produktion des Fahrzeugs findet in Ridgeville, South Carolina, statt. Diese Standortwahl ist jedoch mit einer politischen Komponente verbunden: Aufgrund der engen Verbindungen zu China dürfen die Modelle der Marke ab 2027 in den USA nicht mehr verkauft werden. Da der europäische Markt bereits heute rund 80 Prozent des Gesamtabsatzes ausmacht, ist die strategische Bedeutung des europäischen Kundenstamms für die Marke immens gestiegen, was den Druck erhöht, mit dem überarbeiteten Modell hier erfolgreich zu sein.

Akteure und institutionelle Rahmenbedingungen

Die Entwicklung und Vermarktung des Polestar 3 wird maßgeblich durch die Unternehmensführung und die technologische Zusammenarbeit innerhalb des Geely-Konzerns geprägt. Michael Lohscheller fungiert dabei als zentrale Stimme für den deutschen Markt und vertritt die Strategie, das Fahrzeug durch technologische Upgrades konkurrenzfähig zu halten. Auf der technologischen Seite spielt Nvidia eine entscheidende Rolle, da ein neuer Prozessor des Unternehmens die Rechenleistung des Fahrzeugs verachtfacht hat. Diese Rechenpower ist essenziell für die Auswertung der Sensordaten der Sicherheitsassistenten. Auch Google ist als Partner präsent, dessen KI-System „Gemini“ die Routenplanung und Bedienung im Innenraum unterstützt. Die Entscheidungsträger bei Polestar müssen dabei stets die Balance zwischen dem schwedischen Designanspruch und den Anforderungen des chinesischen Mutterkonzerns wahren. Die Einordnung der Marke als Premiumhersteller erfordert zudem eine ständige Überprüfung der Zuliefererqualität, wie etwa bei den Nappaleder-Sitzen aus Schottland, deren ökologischer Fußabdruck explizit dokumentiert wird, um den Nachhaltigkeitsanspruch der Marke zu unterstreichen.

Einordnung der Marktpositionierung

Einzuordnen ist der Polestar 3 als ein Fahrzeug, das versucht, den Spagat zwischen sportlichem Anspruch und praktischer Alltagstauglichkeit zu meistern. Den Berichten zufolge ist es dem Hersteller gelungen, die Effizienz deutlich zu steigern, was sich in einem Autobahnverbrauch von etwa 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer niederschlägt. Dies ist ein wichtiger Fortschritt, da der hohe Verbrauch des Vorgängermodells als eine der größten Schwächen galt. Die optische Gestaltung, die sich seit 2022 kaum verändert hat, wirkt laut Einschätzung weiterhin zeitlos und elegant, was den Verzicht auf ein radikales Facelift rechtfertigt. Die Verwendung hochwertiger Materialien wie dunkles Holz und Aluminium unterstreicht den Premium-Anspruch. Dennoch bleibt das Fahrzeug ein Nischenprodukt, das durch sein spezifisches Design – eine Mischung aus SUV und Kombi – aus der Masse der klassischen hochbauenden Geländewagen heraussticht. Die technische Aufwertung durch das 800-Volt-System ist dabei der entscheidende Faktor, um im Vergleich zu den deutschen Premiummarken nicht den Anschluss zu verlieren.

Offene Fragen und verbleibende Herausforderungen

Obwohl der Testbericht viele Aspekte beleuchtet, bleiben einige Fragen offen. So wird zwar die Ladeleistung an modernen 800-Volt-Säulen gelobt, doch die Einschränkung an älteren 400-Volt-Ladepunkten auf 120 kW stellt eine Lücke dar, die für Nutzer ohne Zugang zu modernster Infrastruktur relevant sein kann. Der Quelltext macht zudem keine detaillierten Angaben darüber, wie sich die Software-Updates langfristig auf die Stabilität der Assistenzsysteme im täglichen Gebrauch auswirken werden. Auch die langfristige Ersatzteilversorgung und der Wertverlust des Modells, insbesondere vor dem Hintergrund der angekündigten Verkaufsbeschränkungen in den USA ab 2027, werden nicht näher thematisiert. Zudem bleibt unklar, wie die Marke auf mögliche weitere Verschärfungen der Handelsbeziehungen zwischen Europa und China reagieren wird, da die Abhängigkeit von der Geely-Struktur ein potenzielles Risiko darstellt. Auch die tatsächliche Langlebigkeit der verbauten Komponenten unter extremen klimatischen Bedingungen wird im Text nicht weiter ausgeführt.

Ausblick und zukünftige Entwicklungen

Die kommenden Jahre werden für Polestar entscheidend sein, um die Marktposition in Europa zu festigen. Der Verkaufsstopp in den USA ab 2027 zwingt das Unternehmen dazu, die Prognosen anzupassen und die Vertriebsstrategie in Europa weiter zu intensivieren. Die Aktie des Unternehmens hat bereits auf die veränderten Marktbedingungen reagiert, was den Druck auf das Management erhöht, mit Modellen wie dem überarbeiteten Polestar 3 kontinuierlich positive Impulse zu setzen. Es ist zu erwarten, dass Polestar in naher Zukunft weitere Software-Updates „over-the-air“ bereitstellen wird, um die Rechenleistung des Nvidia-Chips und die Effizienz der Antriebsstränge weiter zu optimieren. Ob das Unternehmen in der Lage sein wird, den Preisvorteil gegenüber dem Schwestermodell von Volvo langfristig zu halten, hängt maßgeblich von den Produktionskosten in den USA und der weiteren Entwicklung der globalen Lieferketten ab. Die angekündigten technischen Schritte deuten darauf hin, dass die Marke ihre Strategie konsequent auf eine rein elektrische und technologisch führende Zukunft ausrichtet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/nachtlicher-stadtverkehr-mit-volvo-fahrzeugen-38113730/ · Foto: Oli Liao
Quelle: https://www.handelsblatt.com/mobilitaet/elektromobilitaet/polestar-3-im-test-der-wilde-volvo-bruder-fast-ohne-tempolimit/100262171.html