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Paketversand und Retouren durch Onlinehandel auf Rekordniveau
Wirtschaft · 17.10.2026 18:14

Paketversand und Retouren durch Onlinehandel auf Rekordniveau

Kurz: Der Onlinehandel boomt, und damit steigen auch die Retouren auf ein Rekordniveau. Logistiker und Kioskbesitzer profitieren, doch Umweltschützer üben scharfe Kri

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Der Onlinehandel in Deutschland verzeichnet einen ungebrochenen Aufwärtstrend, der weitreichende Konsequenzen für die Logistikbranche und den stationären Einzelhandel hat. Mit dem wachsenden Volumen an Online-Bestellungen steigt auch die Zahl der Rücksendungen, die sogenannten Retouren, kontinuierlich an. Nach aktuellen Prognosen der Forschungsgruppe „Retourenmanagement“ an der Universität Bamberg wird das Jahr 2026 einen historischen Höchststand erreichen: Es wird mit rund 560 Millionen zurückgeschickten Paketen gerechnet. Dies entspricht fast jeder vierten Bestellung, die über das Internet getätigt wurde. Während kleine lokale Dienstleister wie Kioskbesitzer von diesem Trend profitieren, sehen sich große Logistikunternehmen wie die DHL-Group mit einem massiven Anstieg des Arbeitsaufkommens konfrontiert. Die Entwicklung wird durch veränderte Konsumgewohnheiten, insbesondere durch den verstärkten Einsatz von Handy-Apps, weiter befeuert. Gleichzeitig wächst der Druck durch Umweltverbände, die das Ausmaß der Ressourcenverschwendung und die Belastung durch den zusätzlichen Lieferverkehr in den Innenstädten kritisieren. Die Branche befindet sich somit in einem Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Wachstum durch den E-Commerce und den ökologischen sowie logistischen Herausforderungen, die dieses Geschäftsmodell mit sich bringt.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen, Orte und Zitate

Die Datenlage für das Jahr 2026 zeichnet ein deutliches Bild. Björn Asdecker, Leiter der Forschungsgruppe „Retourenmanagement“ an der Universität Bamberg, beziffert die erwartete Zahl der Retouren auf 560 Millionen Pakete. Im Vergleich zum Vorjahr 2025, in dem 542 Millionen Rücksendungen registriert wurden, stellt dies eine signifikante Steigerung dar. Die Retourenquote liegt aktuell bei 24,1 Prozent. Besonders betroffen ist der Modebereich, auf den rund 90 Prozent der zurückgehenden Artikel entfallen. Ein praktisches Beispiel für die Auswirkungen auf lokaler Ebene liefert Oktay Danisir, der einen Kiosk im Mainzer Stadtteil Mombach betreibt. Er arbeitet mit fünf verschiedenen Paketdiensten zusammen und berichtet, dass wöchentlich zwischen 200 und 300 Pakete allein in seinem Geschäft abgeholt werden. Michael Kiefer, Abteilungsleiter Auslieferung bei der DHL-Group in Mannheim, bestätigt für die Regionen um Heidelberg, Ludwigshafen und Kaiserslautern, dass an Spitzentagen vor Weihnachten das Paketaufkommen im Vergleich zum Vorjahr teilweise mehr als verdoppelt wurde. Der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BPEX) prognostiziert für den gesamten Paketmarkt ein Volumen von 4,48 Milliarden Sendungen im Jahr 2026.

Hintergrund – Vorgeschichte und bisheriger Verlauf

Der aktuelle Boom im Onlinehandel ist kein plötzliches Phänomen, sondern das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung hin zur digitalen Bestellung. Schon seit Jahren beobachten Experten eine stetige Zunahme der Paketsendungen, die den Rückgang des klassischen Briefgeschäfts bei Logistikunternehmen wie der DHL-Group kompensiert. Die Infrastruktur für den Paketempfang hat sich dabei gewandelt: Wo früher Haustürzustellungen dominierten, gewinnen Paketshops und Kioske als zentrale Knotenpunkte an Bedeutung. Diese Entwicklung wurde durch die Bequemlichkeit der Konsumenten und die ständige Optimierung der Bestellprozesse vorangetrieben. Die Forschungsgruppe in Bamberg beobachtet dabei, dass sich das Kaufverhalten durch mobile Anwendungen grundlegend verändert hat. Apps verleiten zu impulsiveren Käufen, da der Vergleich mit anderen Anbietern wegfällt und der „Bestell-Button“ schneller gedrückt wird. Parallel dazu haben sich politische Rahmenbedingungen verschärft, etwa durch das EU-weite Verbot für große Unternehmen, unverkaufte Kleidung und Schuhe einfach zu vernichten, was eine Reaktion auf die wachsende Kritik an der Ressourcenverschwendung durch den Onlinehandel darstellt.

Die Beteiligten – Personen und Institutionen

An der Debatte und der praktischen Umsetzung sind zahlreiche Akteure beteiligt. Auf wissenschaftlicher Seite liefert Björn Asdecker von der Universität Bamberg die fundierten Analysen und Prognosen. Die Logistikseite wird durch Michael Kiefer von der DHL-Group repräsentiert, der die operativen Herausforderungen der Zustellung koordiniert. Auf der Ebene der kleinen Dienstleister steht Oktay Danisir stellvertretend für die Kioskbetreiber, die durch das Paketgeschäft zusätzliche Einnahmen generieren. Verbände wie der Handelsverband Deutschland (HDE) und der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel beobachten die Umsatzentwicklungen kritisch, während der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BPEX) die Marktvolumina prognostiziert. Auf der anderen Seite stehen Umweltorganisationen wie Greenpeace, die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der NABU, die seit Jahren vor den ökologischen Folgen warnen. Zudem sind politische Institutionen wie die Europäische Union involviert, die durch neue Verpackungsverordnungen und Verbote zur Vernichtung unverkaufter Waren versuchen, den negativen Auswirkungen des massiven Konsums entgegenzuwirken.

Einordnung – Die Bedeutung der Entwicklung

Einzuordnen ist das aktuelle Geschehen als ein struktureller Wandel des Konsums, der sowohl Gewinner als auch Verlierer hervorbringt. Den Berichten zufolge ist das Retourenmanagement für Online-Händler ein zweischneidiges Schwert. Einerseits verursachen Rücksendungen hohe Kosten, andererseits dienen sie als Kundenbindungsinstrument. Die Forschung legt nahe, dass Kunden, die häufig Waren zurückschicken, paradoxerweise oft zu den profitabelsten Kundengruppen zählen, da sie insgesamt ein hohes Bestellvolumen aufweisen. Die Zurückhaltung der Händler, Gebühren für Retouren einzuführen, ist laut Asdecker ein klares Indiz dafür, dass die kostenlose Rücksendung als notwendiges Marketinginstrument betrachtet wird. Ökologisch gesehen ist die Situation jedoch kritisch zu bewerten. Der Anstieg des Verkehrsaufkommens in den Innenstädten und die Verschwendung von Ressourcen durch den Versand und die teils notwendige Entsorgung von Waren stehen im Widerspruch zu Nachhaltigkeitszielen. Die Einordnung durch Experten verdeutlicht, dass das System des Onlinehandels auf einer hohen Frequenz basiert, die ohne die logistische Unterstützung durch lokale Paketshops kaum in diesem Umfang aufrechterhalten werden könnte.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Obwohl die vorliegenden Daten ein umfassendes Bild des Paketaufkommens und der Retourenquoten zeichnen, bleiben einige Aspekte unbeantwortet. Der Quelltext macht keine Angaben dazu, wie hoch der Anteil der tatsächlich vernichteten oder wiederverwerteten Retouren in absoluten Zahlen im Jahr 2026 ist, trotz der neuen EU-Regelungen. Es wird nicht explizit geklärt, welche konkreten Auswirkungen die EU-Verpackungsverordnung auf die Preisgestaltung für Endkunden bei kleinen Händlern hat, außer der allgemeinen Feststellung, dass diese kaum noch ins Ausland liefern können. Ebenso bleibt offen, wie hoch der Anteil der durch Retouren verursachten CO2-Emissionen im Vergleich zu anderen Transportsektoren genau ist. Auch die Frage, ob die Logistikunternehmen langfristig in der Lage sind, das prognostizierte Wachstum von 4,48 Milliarden Sendungen ohne eine massive Überlastung der Infrastruktur zu bewältigen, wird nicht abschließend geklärt. Der Text lässt zudem offen, ob es bereits erste messbare Erfolge des Verbots der Vernichtung von Kleidung gibt oder ob Unternehmen Schlupflöcher in den EU-Vorgaben nutzen, um ihre Waren weiterhin zu entsorgen.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte und Ausblick

Die Branche blickt auf eine anhaltende Wachstumsphase, wobei der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BPEX) für die kommenden Zeiträume von einem weiteren Anstieg der Sendungsmengen ausgeht. Für die Logistikdienstleister bedeutet dies, dass die Strategie der saisonalen Personalaufstockung – etwa um 20 Prozent zu Stoßzeiten wie Weihnachten oder Ostern – weiterhin ein zentraler Bestandteil der Planung bleiben wird. Die Forschungsgruppe „Retourenmanagement“ wird die Entwicklung der Retourenquoten weiter beobachten, insbesondere im Hinblick darauf, ob der Trend zum mobilen Einkauf über Apps die Quote weiter in die Höhe treibt. Politisch bleibt die Umsetzung und Verschärfung der EU-Verpackungsverordnung ein Thema, das die Händler beschäftigen wird. Da die großen Versender bisher aus Angst vor Kundenverlusten auf Gebühren für Retouren verzichten, bleibt abzuwarten, ob regulatorischer Druck oder ein Umdenken in der Branche zu einer Änderung dieses Geschäftsmodells führen wird. Die Logistikbranche wird zudem weiterhin versuchen, den Rückgang der Briefmengen durch das boomende Paketgeschäft zu kompensieren, was eine fortwährende Anpassung der internen Konzernstrukturen erfordert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/euro-banknoten-und-munzen-158776/ · Foto: Pixabay
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/online-retouren-rekord-100.html