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Berlin: Linke, Grüne und SPD stellen Sondierungspapier vor
Schlagzeilen · 17.10.2026 18:54

Berlin: Linke, Grüne und SPD stellen Sondierungspapier vor

Kurz: Die Berliner Parteien Linke, Grüne und SPD haben sich auf ein Sondierungspapier geeinigt. Zentrale Punkte sind die Wohnungsfrage und ein massives Neubauprogramm

Einigung auf ein gemeinsames Arbeitspapier für Berlin

Nach intensiven Sondierungsgesprächen haben die Parteien Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und die SPD in Berlin einen entscheidenden Schritt in Richtung einer möglichen Regierungsbildung vollzogen. Am Nachmittag des 17. Oktober 2026 präsentierten die Spitzenvertreter der drei Parteien im Haus der Statistik in Berlin-Mitte ein gemeinsames Sondierungspapier, das den Titel „Mehr gemeinsam, mehr Berlin“ trägt. Mit diesem Dokument legen die Beteiligten die inhaltliche Grundlage für die künftige politische Ausrichtung der Hauptstadt fest. Das Papier ist das Ergebnis mehrwöchiger Beratungen, die nach der Wahl am 20. September 2026 aufgenommen wurden. Die Einigung umfasst dabei nicht nur klassische Themen der Stadtentwicklung, sondern auch hochsensible und gesellschaftspolitisch kontrovers diskutierte Vorhaben. Die Vorstellung des Papiers markiert das Ende einer ersten Phase der Sondierungen, in der die Parteien ihre gemeinsamen Schnittmengen ausloteten. Die beteiligten Akteure zeigten sich bei der Pressekonferenz demonstrativ einig und betonten die Bedeutung der Zusammenarbeit für die kommenden Jahre. Die Veröffentlichung des Papiers ist das Signal, dass die Parteien bereit sind, in offizielle Koalitionsverhandlungen einzutreten, sofern die internen Parteigremien in den kommenden Tagen ihre Zustimmung erteilen. Damit ist die politische Hängepartie nach dem Verlust der Mehrheit der bisherigen CDU/SPD-Koalition in eine konkrete Phase übergegangen.

Die Kernpunkte der Vereinbarung: Wohnungsbau und Vergesellschaftung

Ein zentraler und besonders beachteter Aspekt des Sondierungspapiers betrifft die Berliner Wohnungspolitik. Die drei Parteien haben sich auf ein Modell zur Vergesellschaftung privater Wohnungskonzerne geeinigt, das bundesweit als einmalig gilt. Demnach sollen Konzerne, die über einen Bestand von mehr als 10.000 Wohnungen in Berlin verfügen, für ihre Bestände oberhalb dieser Schwelle entschädigt und enteignet werden. Die Grenze von 10.000 Einheiten dient dabei als Grundbestand, der den Unternehmen verbleiben darf. Ausgenommen von diesen Maßnahmen sind Genossenschaften sowie Akteure, die gemeinwohlorientiert handeln. Eine weitere wichtige Regelung betrifft die zeitliche Komponente: Wohnungen, die nach dem 1. Januar 2021 fertiggestellt wurden oder in Zukunft noch errichtet werden, sind von der Vergesellschaftung ausgenommen. Als rechtliche Basis für dieses Vorhaben soll Artikel 15 des Grundgesetzes dienen, der die Überführung von Grund und Boden sowie Produktionsmitteln in Gemeineigentum unter Entschädigungsregelung ermöglicht. Die Parteien haben sich zudem darauf verständigt, bis Mitte 2028 ein entsprechendes Gesetz vorzulegen. Ergänzend zur Vergesellschaftung planen die Partner das größte Neubauprogramm der letzten Jahrzehnte, um den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten und die Mietpreisentwicklung zu bremsen. Die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, unterstrich, dass das primäre Ziel dieser Maßnahmen darin bestehe, einen weiteren Anstieg der Mieten wirksam zu verhindern.

Weitere politische Vorhaben und stadtpolitische Akzente

Neben der komplexen Wohnungsthematik enthält das Sondierungspapier eine Vielzahl weiterer Projekte für Berlin. Die Grünen konnten insbesondere ihre Vorstellungen einer klimaneutralen Metropole einbringen. Werner Graf, Spitzenkandidat der Grünen, betonte die Bedeutung des Klimaanpassungsgesetzes sowie den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und eine grundlegende Modernisierung der Mobilität. Auch die SPD setzt Akzente: Der Co-Vorsitzende Steffen Krach betonte, dass trotz der umfangreichen Investitionspläne eine seriöse Haushaltspolitik angestrebt werde. Ein konkretes Projekt ist der geplante Neubau eines Kinderkrankenhauses. Zudem soll die Sauberkeit in der Stadt verbessert werden; hierfür ist die Einführung eines kostenlosen Sperrmüllabholtages pro Jahr vorgesehen, ein Punkt, den Elif Eralp als direkte Antwort auf die Bedürfnisse der Bürger in ihren Kiezen bezeichnete. Auch auf bundespolitischer Ebene wollen die Parteien agieren und planen die Unterstützung eines Prüfverfahrens gegen die AfD im Bundesrat. Diese Mischung aus stadtnahen Dienstleistungen und weitreichenden strukturpolitischen Entscheidungen soll die „rote Linie“ der gemeinsamen Interessen verdeutlichen. Die Parteien betonen, dass es sich um ein realistisches Programm handele, das trotz der unterschiedlichen Ausgangslagen der drei Partner eine tragfähige Basis für das gemeinsame Regieren in Berlin bilde.

Der Weg zur Einigung und die beteiligten Akteure

Die Sondierungsgespräche waren geprägt von der neuen Machtkonstellation nach der Wahl vom 20. September. Die Linke ging als stärkste Kraft mit 25,7 Prozent aus der Wahl hervor, während die CDU 18,8 Prozent, die AfD 16,3 Prozent, die Grünen 14,3 Prozent und die SPD 12,1 Prozent erreichten. Da die bisherige Koalition aus CDU und SPD keine Mehrheit mehr besitzt, mussten neue Wege gefunden werden. Die nun angestrebte Dreierkoalition aus Linken, Grünen und SPD würde im Abgeordnetenhaus über 91 Sitze verfügen, was 14 Sitze über der absoluten Mehrheit liegt. Die Verhandlungen wurden jedoch durch interne Spannungen und externe Vorwürfe überschattet. Insbesondere Antisemitismus-Vorwürfe gegen einzelne Mitglieder der Linken belasteten den Prozess. Die Partei distanzierte sich in diesem Zusammenhang explizit von der Abgeordneten Vanessa Emde, die durch umstrittene Äußerungen zu Israel aufgefallen war. Steffen Krach von der SPD räumte ein, dass die Gespräche nicht immer leicht gewesen seien, betonte aber die Notwendigkeit von Kompromissen. Auch innerhalb der Linken gab es Diskussionen über personelle Konsequenzen bei antisemitischen Vorfällen. Die Beteiligten mussten somit nicht nur inhaltliche Differenzen überbrücken, sondern auch das Vertrauensverhältnis untereinander stabilisieren, um eine gemeinsame Regierungsbasis zu schaffen.

Einordnung der politischen Dynamik

Einzuordnen ist das Sondierungspapier als Versuch einer inhaltlichen Neuausrichtung Berlins unter Führung der Linken. Die Kombination aus radikaler Wohnungspolitik und grünen Klimazielen stellt einen deutlichen Bruch zur bisherigen Politik dar. Den Berichten zufolge ist das Papier ein hart erarbeiteter Kompromiss. Während die Linke ihre Kernforderung der Vergesellschaftung durchsetzen konnte, mussten SPD und Grüne im Gegenzug ihre Zustimmung zu einem Vorhaben geben, das in der Vergangenheit auch innerhalb der SPD kritisch gesehen wurde. Steffen Krach betonte hierzu, dass er zwar bei seiner Position zur Vergesellschaftung bleibe, aber als Demokrat die Notwendigkeit von Kompromissen akzeptiere. Die Koalition ist jedoch nicht ohne Risiko: Die knappen Mehrheitsverhältnisse und die internen Differenzen, insbesondere bei der Linken, könnten die Stabilität der künftigen Regierung gefährden. Zudem steht die Koalition unter dem Eindruck der bundespolitischen Lage, etwa nach der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt, was die Sensibilität im Umgang mit demokratischen Grundwerten in den Sondierungen verstärkt hat. Die Einigung ist somit auch ein Signal der drei Parteien, eine stabile Alternative zu einer CDU-geführten Regierung zu etablieren.

Offene Fragen und ungeklärte Details

Trotz der detaillierten Vorlage bleiben einige Fragen offen, die der Quelltext nicht abschließend beantwortet. Zunächst ist unklar, wie die rechtliche Umsetzung der Vergesellschaftung im Detail aussehen wird, insbesondere hinsichtlich der Höhe und Finanzierung der Entschädigungen für die Wohnungskonzerne. Der Quelltext nennt zwar den Artikel 15 des Grundgesetzes als Grundlage, lässt aber offen, wie hoch die finanzielle Belastung für den Berliner Landeshaushalt sein wird und ob diese mit der angekündigten „seriösen Haushaltspolitik“ vereinbar ist. Zudem bleibt offen, wie die Parteien mit weiteren internen Konflikten umgehen werden, falls erneut Vorwürfe gegen Mitglieder laut werden, wie es bei der Abgeordneten Vanessa Emde der Fall war. Auch die konkrete Ausgestaltung des Neubauprogramms und die Finanzierung des neuen Kinderkrankenhauses sind in ihren Details noch nicht vollständig spezifiziert. Es bleibt zudem abzuwarten, wie die betroffenen Wohnungskonzerne auf die Pläne reagieren werden und ob sie den Rechtsweg beschreiten, was das gesamte Vorhaben zeitlich verzögern könnte. Die genauen Auswirkungen auf den Mietmarkt sind ebenfalls Gegenstand von Prognosen, die der Quelltext nicht weiter vertieft.

Der weitere Zeitplan für die Regierungsbildung

Wie es weitergeht, hängt nun von den internen Abstimmungsprozessen der drei Parteien ab. Bevor offizielle Koalitionsverhandlungen aufgenommen werden können, müssen die jeweiligen Parteigremien dem Sondierungspapier zustimmen. Die Grünen haben für diesen Montag einen kleinen Parteitag einberufen, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Auch bei der SPD wird erwartet, dass der Landesvorstand voraussichtlich am Montag eine Entscheidung auf Basis des Papiers trifft. Die Linke hingegen hat einen längeren Vorlauf: Aufgrund der zweiwöchigen Herbstferien in Berlin ist der Parteitag, der die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen beschließen soll, erst für den 31. Oktober angesetzt. Sollten alle drei Parteien grünes Licht geben, könnten die eigentlichen Koalitionsverhandlungen Anfang November starten. Dieser Zeitplan zeigt, dass die Parteien zwar eine inhaltliche Einigung erzielt haben, der formale Prozess der Regierungsbildung jedoch noch einige Wochen in Anspruch nehmen wird. Erst nach erfolgreichem Abschluss dieser Verhandlungen und der Unterzeichnung eines Koalitionsvertrages kann die neue Regierung ihre Arbeit aufnehmen. Die kommenden Tage werden somit entscheidend dafür sein, ob das Projekt einer rot-grün-linken Koalition in Berlin tatsächlich realisiert werden kann.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/berliner-fernsehturm-und-spreeblick-37128557/ · Foto: Raylarında Şehrin
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/sondierungen-berlin-linke-gruene-spd-100.html