Was geschehen ist – die Kernmeldung
Am Freitagabend fand im Kino des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt die feierliche Verleihung des Hessischen Film- und Kinopreises 2026 statt. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand die Regisseurin Katharina Rivilis, deren Werk "I'll be gone in June" als bester Spielfilm ausgezeichnet wurde. Der Film markiert das Langfilm-Debüt der in Berlin lebenden Filmemacherin. Parallel dazu wurde der Dokumentarfilm "Sieben Kreise der Hölle" von Andrzej Klamt prämiert, der sich intensiv mit dem Ukraine-Krieg auseinandersetzt. Die diesjährige Veranstaltung unterschied sich jedoch grundlegend von den prunkvollen Gala-Abenden der Vorjahre. Aufgrund der aktuellen Haushaltslage entschied sich die Landesregierung für einen deutlich bescheideneren Rahmen. Anstatt der üblichen Großveranstaltung in der Alten Oper wählte man das intime Umfeld des Filmmuseums. Trotz der finanziellen Einschränkungen bei der Organisation betonte die Landesregierung, dass bei den Preisgeldern für die Filmschaffenden keine Abstriche gemacht wurden. Insgesamt wurden elf Auszeichnungen vergeben, die sowohl die künstlerische Qualität der Produktionen als auch das Engagement in der Kinolandschaft würdigten.
Die Einzelheiten der Auszeichnungen
Die Hauptpreise für den besten Spielfilm und den besten Dokumentarfilm waren jeweils mit 15.000 Euro dotiert. "I'll be gone in June" erzählt die Geschichte der 16-jährigen Franny, die im Jahr 2001 als Austauschschülerin nach New Mexico reiste und dort die unmittelbaren Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September miterlebte. Die Jury lobte die sinnliche Kraft des Werkes, das persönliche Erinnerung mit historischer Zäsur verbinde. Nominiert waren hier zudem "A sad and Beautiful world" von Cyril Aris sowie "Vaterland" von Pawei Pawlikowski. Der Dokumentarfilm "Sieben Kreise der Hölle" porträtiert Menschen, denen der Ukraine-Krieg alles genommen hat, und lehnt sich namentlich an Dantes "Göttliche Komödie" an. Weitere Preise gingen an "Brennende Haut" (bestes Drehbuch, Behrooz Karamizade und Sanaz Ghotb), den Kurzfilm "Bleifrei 95" (Emma Hütt und Tina Muffer) sowie den Hochschulabschlussfilm "Blut und Wasser" (Nathalie Linke und Johanna Best). Der Newcomer-Preis wurde an den Kasseler Regisseur Joscha Bongard für sein Debüt "Babystar" verliehen. Zudem erhielt Volker Schlöndorff den Preis der Frankfurter Buchmesse für seine Adaption von Jenny Erpenbecks "Die Heimsuchung".
Hintergrund zur Veranstaltung
Die Entscheidung, den Hessischen Film- und Kinopreis in diesem Jahr in einem kleineren Rahmen auszurichten, war eine direkte Reaktion auf die angespannte Haushaltslage des Landes Hessen. In den vergangenen Jahren fand die Verleihung regelmäßig als glanzvolle "Red Carpet"-Veranstaltung in der Frankfurter Alten Oper statt. Die Kosten für dieses Event beliefen sich im Vorjahr auf über 500.000 Euro. Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels (SPD) erklärte, dass eine solche Investition in das gesellschaftliche Umfeld derzeit nicht zu vertreten sei. Dennoch wollte man die Bedeutung des Preises für die Branche nicht schmälern. Die Preisgelder blieben unangetastet, um den Künstlern weiterhin eine verlässliche Unterstützung zu garantieren. Die Veranstaltung dient traditionell nicht nur der Würdigung aktueller Produktionen, sondern auch als Treffpunkt für die hessische und deutsche Filmbranche. Die diesjährige Wahl des Veranstaltungsortes, das Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums, unterstrich den Fokus auf die filmische Substanz gegenüber dem reinen Eventcharakter.
Die Beteiligten und ihre Rollen
Die Verleihung wurde maßgeblich durch das Hessische Ministerium für Kunst und Kultur unter der Leitung von Timon Gremmels verantwortet. Gremmels fungierte als Gastgeber und traf zudem die persönliche Entscheidung über den Newcomer-Preis. Eine weitere zentrale Institution ist der Hessische Rundfunk, der den Schauspielpreis vergab. Dieser ging an das neue Ermittlerduo des HR-Tatorts, Melika Foroutan und Edin Hasanovic, die seit Herbst 2025 in Frankfurt vor der Kamera stehen. Auch die Frankfurter Buchmesse war als Partner eingebunden, wobei Direktor Juergen Boos die Auszeichnung für die beste Adaption persönlich begründete. Ein besonderes Highlight war der erstmals verliehene "GMS RESPECT Award". Dieser ging an Karin Hanczewski und Godehard Giese, die als Initiatoren der Aktion #ActOut bekannt wurden. Mit dieser Initiative hatten sich 2021 insgesamt 185 Schauspielerinnen und Schauspieler öffentlich zu ihrer Identität bekannt, um gegen Diskriminierung in der Branche zu protestieren. Die Preisträger repräsentieren somit ein breites Spektrum an filmischem Schaffen, von der Regie über das Drehbuch bis hin zur schauspielerischen Leistung.
Einordnung der Ereignisse
Einzuordnen ist die diesjährige Preisverleihung als ein bewusster Akt der Prioritätensetzung durch die Politik. Den Berichten zufolge ist der Verzicht auf die große Gala ein Signal der Sparsamkeit, das jedoch durch die Aufrechterhaltung der Preisgelder in seiner Wirkung für die Kulturschaffenden abgefedert wurde. Die inhaltliche Ausrichtung der prämierten Filme zeigt zudem eine starke Tendenz zur Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen. Sowohl der Ukraine-Krieg in "Sieben Kreise der Hölle" als auch die iranische Familiengeschichte in "Brennende Haut" oder die Coming-out-Thematik bei #ActOut unterstreichen den Anspruch der Jury, Filme zu würdigen, die aktuelle Diskurse aufgreifen. Die Entscheidung für das kleinere Format wird von der Landesregierung als temporäre Maßnahme dargestellt. Minister Gremmels betonte, dass Orte für ein solidarisches Miteinander in der Gesellschaft, insbesondere durch Kunst und Kultur, essenziell seien. Die Auszeichnung der Kinos mit insgesamt 215.000 Euro zeigt zudem, dass die Förderung der Infrastruktur – also der Orte, an denen Film erlebt wird – weiterhin eine tragende Säule der hessischen Kulturpolitik bleibt.
Offene Fragen und Lücken im Quelltext
Obwohl der Quelltext einen umfassenden Überblick über die Preisträger und die Rahmenbedingungen bietet, bleiben einige Aspekte unbeantwortet. So wird nicht explizit dargelegt, welche spezifischen Kriterien für die Auswahl der 21 kommerziellen und zehn nicht-gewerblichen Kinos ausschlaggebend waren, die von den insgesamt 215.000 Euro profitierten. Auch bleibt offen, wie die Branche selbst auf den Verzicht der großen Gala reagiert hat; es fehlen Stimmen aus der Filmwirtschaft, die den Wechsel vom großen Saal in die intime Museums-Atmosphäre bewerten. Zudem wird nicht detailliert erläutert, wie sich die Haushaltslage konkret auf die langfristige Planung der Filmförderung in Hessen auswirkt, über das Jahr 2026 hinaus. Auch die genaue Zusammensetzung der Jury, die über die Hauptpreise entschied, wird nicht namentlich genannt, was die Nachvollziehbarkeit der Auswahlentscheidungen für Außenstehende erschwert. Die langfristigen Auswirkungen der "GMS RESPECT"-Initiative auf die Besetzungspolitik in Sendern und Theatern werden ebenfalls nur angedeutet, ohne konkrete Beispiele für Veränderungen in der Produktionspraxis zu liefern.
Wie es weitergeht
Für die Zukunft des Hessischen Film- und Kinopreises gibt es bereits klare Ankündigungen. Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels stellte in Aussicht, dass der Preis im kommenden Jahr wieder in einem größeren Rahmen gefeiert werden soll. Die Rückkehr zu einer prunkvolleren Veranstaltung ist demnach fest eingeplant, sofern die Haushaltslage dies zulässt. Auch für die prämierten Filme ergeben sich konkrete Perspektiven: Der Dokumentarfilm "Sieben Kreise der Hölle" von Andrzej Klamt wird beispielsweise erst im Jahr 2027 offiziell in die Kinos kommen. Für die ausgezeichneten Kinos bedeutet die finanzielle Zuwendung eine unmittelbare Unterstützung ihrer laufenden Betriebskosten oder Investitionen in die Publikumsansprache, wie sie beim Harmonie Kino in Frankfurt besonders hervorgehoben wurde. Die Branche blickt nun auf die kommenden Produktionen, insbesondere da mit dem neuen Tatort-Duo und den prämierten Newcomern wie Joscha Bongard frische Impulse gesetzt wurden, die den hessischen Filmstandort auch in den kommenden Jahren prägen dürften.