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Cornelia Funke, Caroline Wahl, Jaroslav Rudiš: Darüber diskutierte die Buchmesse am Freitag
Regional · 09.10.2026 19:41

Cornelia Funke, Caroline Wahl, Jaroslav Rudiš: Darüber diskutierte die Buchmesse am Freitag

Kurz: Die Frankfurter Buchmesse bot am Freitag ein hochkarätiges Programm. Von Cornelia Funke bis Jaroslav Rudiš diskutierten Autoren über Literatur und Gesellschaft.

Was am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse geschah

Der Freitag auf der Frankfurter Buchmesse markierte den offiziellen Beginn der publikumsstarken Besuchertage, an denen das Messegelände für ein breites Publikum geöffnet wurde. Während die Fachbesucher bereits an den vorangegangenen Tagen die Gelegenheit zum Austausch genutzt hatten, strömten nun zahlreiche Literaturbegeisterte in die Hallen. Ein zentraler Anlaufpunkt war die Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat, auf der ein dicht gedrängtes Programm aus Lesungen, Autorengesprächen und gesellschaftspolitischen Debatten geboten wurde. Die Veranstaltung bot eine Plattform für eine Vielzahl namhafter Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die ihre aktuellen Neuveröffentlichungen vorstellten und sich den Fragen des Publikums sowie der Moderatoren stellten. Neben den literarischen Inhalten standen dabei auch immer wieder drängende zeitgenössische Themen im Fokus, wie etwa die Rolle der Kultur in politisch unruhigen Zeiten, die Auswirkungen der Digitalisierung und die Verantwortung von Intellektuellen in einer sich wandelnden Gesellschaft. Die Messe fungierte somit erneut als ein bedeutendes Forum für den intellektuellen Diskurs in Deutschland, wobei die Live-Übertragungen der Bühnengespräche es ermöglichten, dass auch Interessierte außerhalb Frankfurts an den Diskussionen teilhaben konnten.

Die Einzelheiten zu den Akteuren und Veranstaltungen

Das Programm am Freitag zeichnete sich durch eine beeindruckende Vielfalt an Namen und Formaten aus. Auf der ARD-Bühne präsentierte der tschechische Autor Jaroslav Rudiš, der als Star des diesjährigen Gastlandauftritts gilt, seinen neuen Roman „Wo die Toten sprechen“. Er sprach über die morbide Faszination von Friedhöfen und die Bedeutung von Humor als Waffe gegen Autokraten. Ebenfalls zu Gast war der Publizist Max Czollek, der seinen Debütroman „Zweifelssohn“ vorstellte und eine kritische Analyse des aktuellen politischen Klimas in Deutschland lieferte. Die tschechische Autorin Radka Denemarková, die bereits bei der Eröffnung der Messe mit ihrer Rede für Aufsehen gesorgt hatte, betonte die Unabhängigkeit der Kunst gegenüber staatlicher Einflussnahme. Die Autorin Caroline Wahl begeisterte ihr Publikum mit ihrem neuen Werk „1999 Meter über dem Meer“, einer Fortsetzung der Geschichte um die Figur Samara. Der US-amerikanische Pulitzer-Preisträger Colson Whitehead gab Einblicke in seine Arbeit und äußerte sich kritisch zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Literatur. Zudem trat die ukrainische Dichterin Yaryna Chornohuz auf, die ihre Erfahrungen als Soldatin und Sanitäterin in ihre Lyrik einfließen lässt. Auch die Bestsellerautorin Cornelia Funke war präsent und warb für eine stärkere Naturverbundenheit von Kindern.

Hintergrund und bisheriger Verlauf der Messe

Die Frankfurter Buchmesse 2026 hat sich im bisherigen Verlauf als ein Ort der intensiven Auseinandersetzung mit globalen und europäischen Krisen erwiesen. Schon vor dem Freitag gab es zahlreiche Veranstaltungen, die den Ton für die kommenden Tage setzten. Die Eröffnung der Messe war bereits von einer deutlichen politischen Note geprägt, bei der Rednerinnen wie Radka Denemarková die Rolle der Kulturminister und den Schutz der künstlerischen Freiheit thematisierten. Der Fokus auf das Gastland Tschechien bot einen roten Faden, der sich durch viele Diskussionsrunden zog und die kulturellen Verbindungen sowie die politischen Sorgen des Landes in den Mittelpunkt rückte. Die Messe reagierte zudem auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, etwa durch die Warnungen vor einer sinkenden Lesekompetenz und die kritische Auseinandersetzung mit dem Einfluss von KI auf kreative Prozesse. Der Freitag bildete dabei den Übergang von den fachlich geprägten Tagen hin zum großen Publikumsansturm, wobei die organisatorische Struktur der Messe – von den großen Bühnen bis hin zu spezialisierten Bereichen wie der „Crime World“ – darauf ausgerichtet war, sowohl die literarische Tiefe als auch den Eventcharakter der Buchmesse zu bedienen.

Die Beteiligten und ihre Positionen

Die Akteure auf der Buchmesse setzten sich aus einer breiten Palette an Schriftstellern, Journalisten und Institutionen zusammen. Jaroslav Rudiš vertrat als tschechischer Autor die Perspektive des Gastlandes und betonte die verbindende Kraft der Literatur. Max Czollek nahm die Rolle des scharfen Beobachters der deutschen Politik ein und kritisierte das Ausbleiben einer echten Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Spannungen. Radka Denemarková positionierte sich als Verteidigerin der Kunstfreiheit und lieferte sich einen öffentlichen Schlagabtausch mit dem tschechischen Kulturminister Oto Klempíř. Caroline Wahl und Cornelia Funke repräsentierten die literarische Seite, wobei Funke zudem bildungspolitische Forderungen für Kinder stellte. Colson Whitehead brachte eine internationale Perspektive ein, während Yaryna Chornohuz die Perspektive einer vom Krieg direkt betroffenen Künstlerin einnahm. Institutionell spielten die öffentlich-rechtlichen Sender ARD, ZDF und 3sat eine zentrale Rolle bei der Verbreitung der Inhalte. Auch der Hessische Literaturrat sowie verschiedene Verlage wie der Tropenverlag oder der Mauke Verlag trugen maßgeblich zur inhaltlichen Gestaltung bei. Die Interaktion zwischen diesen Akteuren und dem Publikum, etwa bei den ausverkauften Signierstunden mit Autoren wie Mona Kasten oder Liz Tomforde, unterstrich die Bedeutung der persönlichen Begegnung auf der Messe.

Einordnung der Ereignisse

Einzuordnen ist das Geschehen auf der Buchmesse als ein Spiegelbild der aktuellen gesellschaftlichen Befindlichkeit. Die Debatten, die am Freitag geführt wurden, zeigen deutlich, dass Literatur in Deutschland heute weit mehr ist als reine Unterhaltung; sie wird als ein wichtiges Instrument der politischen Selbstverständigung begriffen. Dass Autoren wie Max Czollek oder Radka Denemarková explizit politische Kritik üben und dabei auf eine breite Resonanz stoßen, deutet auf ein Bedürfnis nach einer kritischen Reflexion der aktuellen politischen Lage hin. Den Berichten zufolge ist die Messe damit ein Ort, an dem die Grenzen zwischen literarischer Fiktion und gesellschaftlicher Realität zunehmend verschwimmen. Die deutliche Positionierung gegen politische Vereinnahmung, wie sie von Denemarková geäußert wurde, unterstreicht den Anspruch der Kulturschaffenden, als unabhängige Instanz wahrgenommen zu werden. Gleichzeitig zeigt die enorme Nachfrage nach Signierstunden und interaktiven Formaten wie der „Crime World“, dass das Publikum nach wie vor eine starke Bindung zu den Autoren und ihren Werken sucht, was die Buchmesse zu einem unverzichtbaren Ort für die Lesekultur macht.

Offene Fragen zur aktuellen Situation

Trotz der Fülle an Informationen, die am Freitag auf der Buchmesse präsentiert wurden, bleiben einige Aspekte unbeantwortet. Der Quelltext lässt beispielsweise offen, wie die langfristigen Auswirkungen der Debatten um die Kulturförderung, insbesondere im Fall der tschechischen Autorin Denemarková, aussehen werden. Es bleibt unklar, ob die geäußerte Kritik an politischen Akteuren tatsächlich zu einer Veränderung der kulturpolitischen Rahmenbedingungen führen kann oder ob sie lediglich innerhalb des geschützten Raums der Messe verhallt. Auch die konkreten Auswirkungen der von Colson Whitehead kritisierten KI-Nutzung auf die Verlagsbranche werden zwar thematisiert, doch eine einheitliche Strategie oder eine klare Prognose für die Zukunft der literarischen Produktion unter dem Einfluss dieser Technologien fehlt. Ebenso bleibt offen, wie die Messeleitung auf die langfristigen Herausforderungen reagieren wird, die durch die sinkende Lesekompetenz und den Wandel der Rezeptionsgewohnheiten entstehen. Die Frage, inwieweit die präsentierten literarischen Formate tatsächlich in der Lage sind, eine breitere gesellschaftliche Debatte außerhalb des Messepublikums anzustoßen, kann der vorliegende Bericht nicht abschließend klären.

Wie es weitergeht: Ausblick auf die kommenden Tage

Die Frankfurter Buchmesse setzt ihr Programm an den folgenden Tagen mit einer Vielzahl weiterer Veranstaltungen fort. Das Lesefest „Open Books“ läuft bereits seit Mittwoch und bietet auch nach dem Freitag zahlreiche Lesungen an verschiedenen Orten in der Stadt, darunter Museen und Kirchen. Diese Veranstaltungen ergänzen das offizielle Messeprogramm und ermöglichen eine tiefere Auseinandersetzung mit den Themen der Zeit. Für die kommenden Tage sind weitere Diskussionsrunden und Preisverleihungen angekündigt, die das Profil der Messe als Ort der intellektuellen Auseinandersetzung schärfen werden. Die Besucherinnen und Besucher können sich auf weitere Signierstunden, Podiumsdiskussionen und die Präsentation neuer literarischer Werke freuen. Die Messeleitung wird zudem weiterhin die Entwicklungen rund um die Gastlandpräsentation Tschechiens und die internationalen politischen Debatten im Auge behalten. Die ausstehenden Entscheidungen, etwa zur Vergabe weiterer Preise oder zur inhaltlichen Ausrichtung der kommenden Messetage, werden das Bild der Veranstaltung weiter prägen. Das Ziel bleibt es, den Austausch zwischen Autoren, Verlagen und dem Publikum zu fördern und die Bedeutung des Buches als Medium in einer digitalen Welt zu unterstreichen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/wahrzeichen-reise-reisen-usa-20185817/ · Foto: Shea B
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-das-sollten-sie-am-freitag-auf-der-buchmesse-nicht-verpassen-100.html