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AfD-Datenleck: Geleakte Mails bringen Weidel in der Spendenaffäre in Erklärungsnot
Technik · 24.10.2026 14:47

AfD-Datenleck: Geleakte Mails bringen Weidel in der Spendenaffäre in Erklärungsnot

Kurz: Ein Datenleck bei der AfD offenbart E-Mails, die Alice Weidels Rolle in der Spendenaffäre von 2017 in einem neuen, kritischen Licht erscheinen lassen.

Was geschehen ist: Neue Erkenntnisse durch ein massives Datenleck

Ein umfangreicher Datensatz, der infolge eines Cyberangriffs auf einen IT-Dienstleister der Alternative für Deutschland (AfD) an die Öffentlichkeit gelangte, sorgt derzeit für erheblichen politischen Wirbel. Die Informationen, die aus einem Bestand von rund 421.000 E-Mails stammen, betreffen direkt die Parteivorsitzende Alice Weidel und ihre Rolle in der sogenannten Spendenaffäre aus dem Jahr 2017. Den Berichten zufolge belegen die elektronischen Nachrichten, dass Weidel entgegen ihrer bisherigen Darstellung maßgeblich in die Organisation und Steuerung von Spendengeldern involviert war, die über ihren Kreisverband Bodensee liefen. Die Unterlagen legen nahe, dass die AfD-Politikerin nicht nur über den Zufluss von Geldern informiert war, sondern diesen aktiv mitgestaltete, um ihren Social-Media-Wahlkampf zu finanzieren. Diese Enthüllungen stehen im direkten Widerspruch zu den Aussagen, die Weidel in den vergangenen Jahren öffentlich getroffen hat, und zwingen die Parteispitze nun in eine schwierige Erklärungsnot, da die Vorwürfe den Kern der damaligen Ermittlungen berühren.

Die Einzelheiten: Konkrete Anweisungen und finanzielle Abläufe

Die nun bekannt gewordenen Dokumente enthalten spezifische Anweisungen, die Alice Weidel am 6. Juli 2017 an Mitglieder ihres Kreisverbands Bodensee, darunter die damalige Schatzmeisterin, richtete. In der Korrespondenz legte Weidel fest, dass die für sie bestimmten Spenden, die auf dem Konto des Kreisverbands eingingen, exklusiv für ihren Social-Media-Wahlkampf verwendet werden sollten. Der Betreuer ihrer Facebook-Seite sollte demnach Rechnungen in entsprechender Höhe an den Kreisverband stellen, um die Gelder abzurufen. Besonders brisant ist eine weitere E-Mail, in der Weidel die Schatzmeisterin bat, das Konto des Kreisverbands in einem Rhythmus von etwa zwei Mal pro Woche auf Spendeneingänge zu kontrollieren. Als Begründung führte sie an, dass ihr Spenden avisiert, also angekündigt worden seien, die sie zwingend für ihren digitalen Wahlkampf benötige. Zudem deuten die Mails darauf hin, dass Weidel im Juli 2017 eine eigene Kreditkarte für das sogenannte Wahlkampfkonto erhielt. Die Schatzmeisterin informierte sie darüber, dass sowohl die Karte als auch die zugehörige PIN in Kürze an Weidels Wohnsitz in Überlingen zugestellt würden, was die bisherige Darstellung, das Geld sei rein organisatorisch beim Kreisverband verblieben, infrage stellt.

Hintergrund: Der Verlauf der Spendenaffäre 2017

Die Affäre nahm ihren Ursprung im Sommer 2017, als zwischen Juli und September insgesamt rund 130.000 Euro in 18 Tranchen auf dem Konto des AfD-Kreisverbands Bodensee eingingen. Als Absender der Zahlungen trat die Schweizer Firma Pharmawholesale auf, wobei der Verwendungszweck explizit als „Wahlkampfspende Alice Weidel“ deklariert war. Da Spenden aus Staaten außerhalb der Europäischen Union für deutsche Parteien gesetzlich verboten sind, löste der Vorgang erhebliche rechtliche Konsequenzen aus. Die AfD war gezwungen, eine Strafzahlung zu leisten, nachdem die Gelder erst mit einer Verzögerung von mehreren Monaten an den Absender zurücküberwiesen wurden. Alice Weidel betonte in der Folgezeit stets, sie habe von den Zahlungen erst sehr spät erfahren und die Verantwortung für die Abwicklung sei allein beim Kreisverband gelegen. Die Staatsanwaltschaft Konstanz leitete daraufhin Ermittlungen gegen Weidel ein, stellte diese jedoch im Jahr 2021 ein, ohne dass es zu einer Verurteilung kam. Die nun aufgetauchten E-Mails werfen jedoch ein neues Licht auf die damalige Informationslage der Parteivorsitzenden.

Die Beteiligten: Akteure und Institutionen im Fokus

Neben Alice Weidel selbst stehen vor allem die Mitglieder des Kreisverbands Bodensee im Zentrum der Aufmerksamkeit, insbesondere die damalige Schatzmeisterin, die laut den E-Mails die Kontoformalitäten und die Zustellung der Kreditkarte abwickelte. Auch die Schweizer Firma Pharmawholesale, die als Geldgeber fungierte, spielt eine zentrale Rolle in der historischen Aufarbeitung des Falls. Auf institutioneller Ebene ist der IT-Dienstleister der AfD zu nennen, dessen Sicherheitssysteme kompromittiert wurden, was den Abfluss der Daten erst ermöglichte. Die AfD als Partei hat den Cyberangriff zwar offiziell bestätigt, hält sich jedoch bei der inhaltlichen Bewertung der einzelnen E-Mails zurück und verweigert eine Bestätigung der Echtheit. Ein Sprecher von Alice Weidel ließ gegenüber Medienvertretern verlauten, dass die Parteichefin ihre bisherigen Aussagen nicht revidiere. Die Kommunikation mit potenziellen Unterstützern sei damals Teil ihres Wahlkampfs gewesen, wobei sie jedoch keine Kenntnis von den konkreten, unzulässigen Zahlungen der Schweizer Firma gehabt habe.

Einordnung: Politische Implikationen der Enthüllungen

Einzuordnen ist das so: Die neuen Dokumente könnten das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Parteiführung nachhaltig erschüttern, sofern sich die Echtheit der E-Mails zweifelsfrei bestätigen lässt. Den Berichten zufolge lassen sich Teile des Materials durch DKIM-Signaturen verifizieren, was die Beweiskraft der Korrespondenz deutlich erhöht. Die Diskrepanz zwischen der Behauptung, Weidel habe nichts von den Spenden gewusst, und der nun belegten aktiven Steuerung der Finanzflüsse ist erheblich. Politisch gesehen stellt dies eine Belastung für die AfD dar, da sie ihre Integrität in Finanzfragen stets betont hat. Die Tatsache, dass Weidel explizit die Verwendung der Gelder für ihren Social-Media-Auftritt festlegte, deutet auf eine strategische Planung hin, die über eine bloße Kenntnisnahme der Spenden hinausgeht. Den Berichten zufolge könnte dies die Debatte über die Parteienfinanzierung und die Transparenz innerhalb der AfD neu entfachen, da die rechtlichen Grenzen der Spendenannahme im Jahr 2017 offensichtlich überschritten wurden.

Offene Fragen: Was die Dokumente nicht klären

Obwohl die E-Mails ein detailliertes Bild der internen Kommunikation zeichnen, bleiben wesentliche Fragen unbeantwortet. Der Quelltext gibt keinen Aufschluss darüber, wer genau Alice Weidel die Spenden im Vorfeld angekündigt hat. Die Identität der Person oder der Personen, die hinter der Ankündigung der Zahlungen standen, bleibt im Dunkeln. Ebenso ist nicht geklärt, ob und in welchem Umfang weitere Personen innerhalb der Parteistrukturen von der Herkunft der Gelder aus der Schweiz wussten oder ob die Schatzmeisterin lediglich als ausführendes Organ handelte. Auch die genauen Hintergründe der Zusammenarbeit mit der Firma Pharmawholesale und warum diese spezifische Firma Interesse an einer Unterstützung des Wahlkampfs von Weidel hatte, lässt sich aus den geleakten E-Mails nicht ableiten. Die Lücke zwischen der Ankündigung der Spenden und der tatsächlichen rechtlichen Einordnung der Zahlungen durch die Parteispitze bleibt somit ein zentraler Punkt, der durch das Datenleck allein nicht vollständig aufgeklärt wird.

Wie es weitergeht: Konsequenzen und ausstehende Reaktionen

Bisher sind keine konkreten neuen juristischen Schritte oder internen Untersuchungen seitens der AfD angekündigt worden, die sich explizit auf die neuen Enthüllungen beziehen. Die Partei hat lediglich den Angriff auf ihre IT-Infrastruktur bestätigt, ohne jedoch auf die inhaltlichen Vorwürfe gegen ihre Vorsitzende einzugehen. Es bleibt abzuwarten, ob die Staatsanwaltschaft oder andere Aufsichtsbehörden aufgrund der neuen Beweislage eine Wiederaufnahme oder eine neue Bewertung der damaligen Ermittlungen in Erwägung ziehen. Ebenso ist unklar, wie die AfD-Spitze auf den internen Druck reagieren wird, der durch die öffentliche Debatte um die Glaubwürdigkeit von Alice Weidel entsteht. Da die Partei die Echtheit der Mails weder bestätigt noch dementiert, ist davon auszugehen, dass die Auseinandersetzung um die Interpretation dieser Dokumente in den kommenden Wochen anhalten wird. Weitere Termine oder offizielle Stellungnahmen zu den Inhalten des Lecks wurden bisher nicht kommuniziert.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/hande-laptop-internet-tippen-5474295/ · Foto: cottonbro studio
Quelle: https://www.golem.de/news/afd-datenleck-geleakte-mails-bringen-weidel-in-der-spendenaffaere-in-erklaerungsnot-2610-214476.html