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Schaeffler: Humanoide Roboter bauen Gelenkmodule für humanoide Roboter
Technik · 20.10.2026 11:03

Schaeffler: Humanoide Roboter bauen Gelenkmodule für humanoide Roboter

Kurz: Schaeffler eröffnet in China eine Fabrik, in der humanoide Roboter Gelenkmodule für ihre Artgenossen produzieren und dabei direkt vor Ort trainiert werden.

Ein technologischer Meilenstein in Taicang

Das deutsche Industrie- und Fahrzeugzulieferunternehmen Schaeffler hat einen bedeutenden Schritt in Richtung einer hochgradig automatisierten Zukunft vollzogen. In der chinesischen Stadt Taicang wurde eine neue Produktionsstätte eingeweiht, die als sogenannte Lighthouse Factory fungiert und eine technologische Besonderheit aufweist: Hier fertigen humanoide Roboter die Gelenkmodule für weitere humanoide Roboter. Dieser Prozess ist in seiner Konsequenz bemerkenswert, da er die gesamte Wertschöpfungskette von der Erprobung spezifischer Roboterfähigkeiten bis hin zur tatsächlichen industriellen Anwendung innerhalb eines einzigen Standorts abbildet. Die Anlage markiert damit einen Wendepunkt in der industriellen Fertigungstechnik, bei dem die Maschinen nicht mehr nur einfache Werkzeuge sind, sondern aktiv an der Konstruktion und Montage ihrer eigenen Artgenossen mitwirken. Die offizielle Bekanntgabe dieses Vorhabens erfolgte durch das Unternehmen an einem Dienstag, wobei der Fokus klar auf der Effizienzsteigerung und der technologischen Vorreiterrolle liegt. Durch den Einsatz humanoider Systeme in der Produktion soll eine neue Ära der industriellen Fertigung eingeleitet werden, die weit über klassische Industrieroboter hinausgeht.

Die technischen Details der Lighthouse Factory

Die neue Produktionsstätte erstreckt sich über eine Fläche von rund 7500 Quadratmetern und ist mit modernster Infrastruktur ausgestattet. Das Herzstück der Anlage bildet eine spezialisierte Montagelinie, die durch ein integriertes Trainings- und Datenerfassungszentrum ergänzt wird. Zudem verfügt die Fabrik über eine Plattform für digitale Zwillinge sowie ein eigenes Rechenzentrum, das die enorme Datenmenge der Produktionsprozesse verarbeitet. In der Fertigung selbst kommen insgesamt sechs humanoide Roboter zum Einsatz, die auf fünf verschiedene Stationen verteilt sind. Ihre Aufgaben sind vielfältig: Sie übernehmen das Greifen und Sortieren der Bauteile, führen die komplexe Montage der linearen und rotativen Aktuatoren durch, prüfen die Qualität der fertigen Komponenten, kennzeichnen diese und verpacken sie schließlich für den weiteren Gebrauch. Die gesamte Steuerung und Überwachung dieser Prozesse erfolgt über einen digitalen Zwilling, der die physische Anlage in einer virtuellen Umgebung eins zu eins abbildet. Durch ein engmaschiges Netz an Sensoren werden kontinuierlich Daten über den Zustand der Maschinen und den Fortschritt der Fertigung gesammelt, was eine präzise Überwachung und Optimierung ermöglicht.

Hintergrund und strategische Ausrichtung

Die Eröffnung dieser Fabrik ist kein isoliertes Ereignis, sondern ein zentraler Bestandteil der langfristigen Unternehmensstrategie von Schaeffler. Bereits im Januar 2026 hatte der Konzern seine Absicht öffentlich gemacht, innerhalb der kommenden fünf Jahre mehrere Hundert humanoide Roboter in seinen weltweiten Werken zu integrieren. Diese strategische Entscheidung wurde durch eine im Mai 2026 geschlossene Vereinbarung mit dem spezialisierten Roboterhersteller Humanoid weiter untermauert. Diese Kooperation sieht vor, dass bis zum Jahr 2032 eine vierstellige Anzahl an Robotern in die Produktionsprozesse des Unternehmens einfließen soll. Ziel ist es, den Automatisierungsgrad in den rund 100 Produktionsstätten der Schaeffler Group signifikant zu erhöhen. Die Lighthouse Factory in Taicang dient dabei als Testfeld und Vorbild für diese großflächige Transformation. Die Erfahrungen, die dort gesammelt werden, sollen direkt in die Optimierung der globalen Produktionsprozesse einfließen, um die Effizienz nachhaltig zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit in einem sich schnell wandelnden technologischen Umfeld zu sichern.

Die Akteure und ihre Rollen

Im Zentrum dieses Projekts steht die Schaeffler Group als treibende Kraft und Betreiber der Anlage. Das Unternehmen agiert sowohl als Anwender als auch als Entwickler von Produktionslösungen. Auf der Seite der Technologiepartner spielt der Roboterhersteller Humanoid eine entscheidende Rolle, da er die grundlegende Hardware für die humanoiden Einheiten liefert, die in der Lighthouse Factory zum Einsatz kommen. Die Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Akteuren bildet das Fundament für die Skalierung der Robotertechnologie. Innerhalb der Fabrik sind die humanoiden Roboter selbst die handelnden Akteure, die durch ihre spezifischen Fähigkeiten die Montageprozesse ausführen. Das Trainings- und Datenerfassungszentrum fungiert dabei als Schnittstelle zwischen der menschlichen Planung und der maschinellen Ausführung. Hier werden die Roboter unter realen Bedingungen geschult, die den spezifischen Anforderungen der Schaeffler-Werke entsprechen. Durch diese enge Verzahnung von Entwicklung und Anwendung wird sichergestellt, dass die Roboter nicht nur theoretisch funktionieren, sondern in der rauen Umgebung einer industriellen Fertigung bestehen können.

Einordnung der technologischen Entwicklung

Einzuordnen ist das Vorhaben von Schaeffler als eine konsequente Weiterentwicklung der Industrie 4.0. Den Berichten zufolge ermöglicht der Einsatz des digitalen Zwillings eine erhebliche Verkürzung der Entwicklungszeiten, da Produktionsprozesse virtuell getestet und optimiert werden können, bevor sie in der realen Welt implementiert werden. Dies reduziert das Risiko von Fehlern und erhöht die Flexibilität der gesamten Fertigungslinie. Die Tatsache, dass humanoide Roboter nun Aktuatoren für ihresgleichen herstellen, deutet auf eine zunehmende Autonomie der Fabriksysteme hin. Es ist jedoch zu betonen, dass es sich hierbei um eine hochspezialisierte Anwendung handelt. Die Roboter sind darauf trainiert, in den spezifischen Produktionsumgebungen von Schaeffler zu agieren, was ihre Vielseitigkeit zwar begrenzt, ihre Effizienz in diesen definierten Aufgabenbereichen jedoch maximiert. Die Strategie, die Automatisierung durch den Einsatz humanoider Systeme voranzutreiben, zeigt, dass das Unternehmen die Zukunft der Fertigung in der Symbiose von digitaler Planung und physischer, menschenähnlicher Agilität sieht.

Offene Fragen zur technologischen Zukunft

Obwohl die Lighthouse Factory einen detaillierten Einblick in die aktuelle Fertigungstechnik bietet, bleiben einige Aspekte unbeantwortet. Der Quelltext macht beispielsweise keine Angaben dazu, wie hoch die tatsächliche Ausfallrate der humanoiden Roboter in dieser speziellen Umgebung ist oder wie die Wartung der Roboter selbst organisiert wird. Ebenso bleibt unklar, welche konkreten Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden, wenn humanoide Roboter in unmittelbarer Nähe zueinander oder zu menschlichem Personal agieren, sofern dies in den Abläufen vorgesehen ist. Auch die ökonomische Bilanz – also das Verhältnis zwischen den hohen Investitionskosten für die Roboter und der tatsächlichen Zeitersparnis oder Produktivitätssteigerung – wird nicht weiter quantifiziert. Zudem lässt der Text offen, welche spezifischen Herausforderungen bei der Programmierung der Roboter für die Montage der Aktuatoren auftraten und wie das Unternehmen mit der Komplexität der Datenverarbeitung im Rechenzentrum umgeht, wenn die Anzahl der eingesetzten Roboter in den kommenden Jahren tatsächlich in den vierstelligen Bereich wächst. Diese Lücken zeigen, dass die Technologie zwar in der Praxis erprobt wird, aber noch viele Fragen zur Skalierbarkeit und langfristigen Wirtschaftlichkeit offen sind.

Der weitere Weg der Automatisierung

Für die kommenden Jahre hat Schaeffler einen klaren Zeitplan kommuniziert. Die Lighthouse Factory in Taicang dient als Blaupause für die weitere Expansion der Roboter-Integration in den rund 100 Produktionsstätten weltweit. Die Vereinbarung mit dem Partner Humanoid erstreckt sich bis zum Jahr 2032 und sieht eine kontinuierliche Lieferung und Inbetriebnahme von Robotern vor. Ein wichtiger Aspekt für die Zukunft ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der Fähigkeiten der Roboter im Trainingszentrum. Da die neu erlernten Fertigkeiten sofort an der Montagelinie erprobt werden können, ist mit einer stetigen Steigerung der Komplexität der Montageaufgaben zu rechnen. Der Prozess der digitalen Abbildung durch den digitalen Zwilling wird dabei eine zentrale Rolle spielen, um die Skalierung der Prozesse sicherzustellen. Das Unternehmen wird in den nächsten Jahren beweisen müssen, ob die in Taicang erzielten Fortschritte auch in anderen Werken mit unterschiedlichen Produktionsanforderungen repliziert werden können, ohne die Effizienz zu gefährden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fortschrittlicher-cyberdog-roboter-in-innenraumen-ausgestellt-35280285/ · Foto: Magda Ehlers
Quelle: https://www.heise.de/news/Schaeffler-Humanoide-Roboter-bauen-Gelenkmodule-fuer-humanoide-Roboter-11493644.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag