Ein starkes Zeichen für den Zusammenhalt
Die Stadt Kassel hat am 23. Oktober 2026 eine neue, stadtweite Kampagne unter dem Namen „Backup“ ins Leben gerufen, die ein klares Signal gegen Hass und Hetze in der Gesellschaft setzen soll. Das zentrale Anliegen der Initiative ist es, die Zivilcourage der Bürgerinnen und Bürger zu stärken und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass niemand bei Anfeindungen oder Bedrohungen allein gelassen werden darf. Unter dem einprägsamen Motto „Ich bin: Dein Backup. Wir sind: Dein Backup.“ möchte die Stadtverwaltung dazu ermutigen, bei Grenzüberschreitungen genau hinzusehen, aktiv zu widersprechen und Betroffenen den notwendigen Rückhalt zu geben. Die Kampagne ist als langfristiges Projekt angelegt, das nicht nur sensibilisieren, sondern durch konkrete Handlungsempfehlungen und Beratungsangebote eine resiliente Stadtgesellschaft fördern will. Dabei steht die Überzeugung im Mittelpunkt, dass Vielfalt, Toleranz und Solidarität die wesentlichen Stärken Kassels sind, die es gemeinsam zu verteidigen gilt. Mit der Präsentation der ersten Plakate durch Oberbürgermeister Sven Schoeller und Bürgermeisterin Nicole Maisch wurde der offizielle Startschuss gegeben, um das Thema in die Mitte der städtischen Öffentlichkeit zu tragen und ein Klima des respektvollen Miteinanders zu festigen.
Details zur Umsetzung und den Akteuren
Die Umsetzung der Kampagne erfolgt durch das Amt für Chancengleichheit der Stadt Kassel unter der Leitung von Teslihan Ayalp. Bei der offiziellen Vorstellung der Kampagnenmotive waren neben Oberbürgermeister Sven Schoeller und Bürgermeisterin Nicole Maisch auch der Antidiskriminierungsbeauftragte Evren Özgüvenç sowie Vertreter der beauftragten Agentur, darunter Clemens Camphausen, anwesend. Ein wesentlicher Bestandteil des Auftritts sind 500 Plakate, die sukzessive im gesamten Stadtgebiet verteilt werden. Ergänzt wird die visuelle Präsenz durch Informationsflyer, Postkarten, eine eigens eingerichtete Webseite sowie Social-Media-Inhalte und einen Kurzfilm, der verschiedene Stimmen aus der Stadtgesellschaft einfängt. Auf den Motiven sind diverse Akteure zu sehen, darunter Mitglieder der jüdischen Gemeinde, städtische Bedienstete, Vertreter der Zivilgesellschaft sowie Einsatzkräfte. Auch der Kapitän des KSV Hessen Kassel, Adrian Bravo Sanchez, unterstützt die Initiative. Er betont, dass ein respektvolles Miteinander eine unverzichtbare Stärke der Stadt ist, die bewahrt werden muss. Die Kampagne richtet sich explizit auch an Einsatzkräfte und Beschäftigte im öffentlichen Dienst, die in ihrem Arbeitsalltag vermehrt mit Bedrohungen oder körperlicher Gewalt konfrontiert sind.
Der Hintergrund der Initiative
Die Entscheidung zur Durchführung der Kampagne „Backup“ resultiert aus der Notwendigkeit, dem wachsenden Phänomen von Hass und Hetze in verschiedenen Lebensbereichen entgegenzuwirken. Die Stadt Kassel definiert Hass und Hetze dabei sehr breit: Er richtet sich gegen Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, rassistischer Zuschreibungen, ihres Geschlechts, ihrer Religion oder Weltanschauung, ihrer Behinderung, ihres Lebensalters, ihrer sexuellen Identität oder ihres sozioökonomischen Status. Die Vorgeschichte zeigt, dass insbesondere Einsatzkräfte und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst zunehmend Zielscheibe von Anfeindungen werden. Die Stadtverwaltung hat erkannt, dass es nicht ausreicht, diese Vorfälle lediglich zu registrieren, sondern dass eine aktive Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts notwendig ist. Die Kampagne soll daher präventiv wirken, indem sie die Resilienz der Bürgerinnen und Bürger stärkt. Es geht darum, das Gefühl der Ohnmacht in schwierigen Situationen zu überwinden und durch die Vermittlung von Handlungsmöglichkeiten eine Kultur der Aufmerksamkeit zu schaffen. Die Initiative ist somit eine direkte Reaktion auf die gesellschaftliche Notwendigkeit, demokratische Werte im Alltag zu schützen und den Zusammenhalt gegen ausgrenzende Tendenzen zu verteidigen.
Die Rolle der Beteiligten
An der Kampagne wirken diverse Institutionen und Personen mit, die jeweils eigene Perspektiven und Erfahrungen einbringen. Die Federführung liegt beim Amt für Chancengleichheit, das die inhaltliche Ausrichtung koordiniert. Oberbürgermeister Sven Schoeller und Bürgermeisterin Nicole Maisch fungieren als politische Repräsentanten, die die Kampagne als Einladung an die gesamte Stadtgesellschaft verstehen, füreinander einzustehen. Der Antidiskriminierungsbeauftragte Evren Özgüvenç betont die Bedeutung einer positiven Botschaft, die dem Hass entgegensteht. Besonders hervorzuheben ist die Beteiligung von Menschen, die selbst von Anfeindungen betroffen sind oder Gruppen repräsentieren, die verstärkt unter Druck stehen. Durch die Einbindung von Akteuren wie dem KSV Hessen Kassel wird die Botschaft in verschiedene gesellschaftliche Bereiche wie den Sport getragen. Die Bürgerinnen und Bürger sind jedoch nicht nur Zielgruppe, sondern aktive Teilnehmer: Sie werden dazu aufgerufen, durch das Tragen eines „+1“-Pins oder Schlüsselanhängers ihre Bereitschaft zu signalisieren, bei Vorfällen hinzusehen und Ansprechpartner für Betroffene zu sein. Diese einfache Symbolik soll die Hemmschwelle für Zivilcourage senken und eine sichtbare Bewegung der Solidarität schaffen.
Einordnung der Kampagnenstrategie
Einzuordnen ist die Kampagne „Backup“ als ein strategisches Instrument der städtischen Präventionsarbeit. Den Berichten zufolge verfolgt die Stadt Kassel einen Ansatz, der über reine Appelle hinausgeht, indem sie konkrete Hilfestellungen anbietet. Die Strategie setzt darauf, dass Zivilcourage nicht als einsame Heldentat missverstanden wird, sondern als gemeinschaftliche Verantwortung. Die Leiterin des Amtes für Chancengleichheit, Teslihan Ayalp, stellt klar, dass es bei der Kampagne nicht darum geht, sich selbst in Gefahr zu bringen. Vielmehr soll der Fokus auf der Sicherung von Informationen, dem Melden von Vorfällen und der Unterstützung der Betroffenen liegen, anstatt dem Täter eine Bühne zu bieten. Diese Differenzierung ist wichtig, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen und Ängste vor dem eigenen Eingreifen abzubauen. Die Kampagne fungiert somit als Brücke zwischen dem Wunsch nach einem respektvollen Miteinander und der praktischen Umsetzung im Alltag. Sie zielt darauf ab, die demokratische Resilienz zu erhöhen, indem sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt als Schutzschild gegen diskriminierende Angriffe begreift.
Offene Fragen zur Umsetzung
Obwohl die Kampagne „Backup“ einen umfassenden Ansatz verfolgt, bleiben einige Aspekte im Quelltext unbeantwortet. So wird nicht explizit dargelegt, wie die Stadt Kassel die langfristige Wirkung der Kampagne messen will oder ob es spezifische Indikatoren gibt, anhand derer der Erfolg der Sensibilisierungsmaßnahmen bewertet wird. Auch bleibt offen, inwieweit die Kampagne über die reine Informationsvermittlung hinausgehen kann, wenn es um die psychologische Unterstützung von Opfern geht, die über die genannten Beratungsangebote hinausgeht. Ebenso werden keine konkreten Zahlen zu den bisherigen Vorfällen in Kassel genannt, die den Anlass für die Intensivierung der Arbeit in diesem Bereich gegeben haben könnten. Die Frage, wie die Stadtverwaltung auf potenzielle Gegenreaktionen oder eine Zunahme von Hasskommentaren auf den eigenen digitalen Kanälen reagieren wird, bleibt ebenfalls unbehandelt. Der Quelltext konzentriert sich primär auf die Botschaft und die geplanten Kommunikationswege, lässt jedoch offen, welche Ressourcen über die Kampagnenlaufzeit hinaus für die Antidiskriminierungsarbeit dauerhaft bereitgestellt werden, um die angestrebte Resilienz nachhaltig zu sichern.
Wie es weitergeht
Die Kampagne tritt nun in eine aktive Phase ein. Ab Montag, dem 26. Oktober 2026, sind die Informationsmaterialien sowie die „+1“-Pins und Schlüsselanhänger an verschiedenen städtischen Standorten erhältlich, darunter das Bürgerbüro des Rathauses, die Rathausinformation, das Standesamt, der Wartebereich der Einbürgerungsbehörde sowie diverse Zulassungsstellen. Ein zentraler Termin ist die offizielle Vorstellung der Kampagne für die interessierte Bürgerschaft am Dienstag, dem 24. November 2026. Diese findet ab 15.15 Uhr im BALi-Kino am Hauptbahnhof statt. Dort werden Oberbürgermeister Sven Schoeller und Bürgermeisterin Nicole Maisch die Inhalte vertiefen, den Kurzfilm präsentieren und für Gespräche zur Verfügung stehen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, sich bis zum 23. November 2026 per E-Mail beim Amt für Chancengleichheit anzumelden. Über die Webseite www.kassel.de/backup können sich Interessierte zudem fortlaufend über neue Entwicklungen und weiterführende Informationen informieren. Die Stadt Kassel plant, den Dialog über das Thema Rückhalt im Alltag durch diese Veranstaltungen und die kontinuierliche Präsenz der Kampagnenmotive im Stadtbild dauerhaft aufrechtzuerhalten.