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Iran-Krieg: Trauer nach Angriff auf Schule in Minab hält an
Politik · 17.10.2026 03:43

Iran-Krieg: Trauer nach Angriff auf Schule in Minab hält an

Kurz: In Minab erinnern Ruinen an den verheerenden Raketenangriff auf eine Schule. Hinterbliebene trauern, während das Regime den Ort für Propagandazwecke nutzt.

Ein verheerender Tag in Minab

Der 28. Februar 2026 markierte einen der dunkelsten Momente des aktuellen Konflikts im Iran. An diesem Samstagvormittag, gegen 11:20 Uhr, wurde die Shajareh-Tayyebeh-Schule in der Stadt Minab von mindestens einer Rakete getroffen. Der Einschlag ereignete sich zu einem Zeitpunkt, als die iranische Schulwoche gerade erst begonnen hatte und das Gebäude voller Leben war. Die Folgen waren katastrophal: Nach offiziellen Angaben der iranischen Behörden kamen bei diesem Angriff insgesamt 168 Menschen ums Leben, bei denen es sich mehrheitlich um Kinder handelte. Was als gewöhnlicher Schultag begann, endete in einer nationalen Tragödie, die bis heute die Menschen in der Region tief erschüttert. Die Trümmer der Schule, die noch immer als Mahnmal an den Einschlag erinnern, sind heute ein Ort, an dem sich die tiefe Trauer der Hinterbliebenen mit der politischen Instrumentalisierung durch das herrschende Regime vermischt. Besucher, die den Ort aufsuchen, treffen auf eine bedrückende Kulisse aus halb herabhängenden Decken und offenen Wänden, die den Blick in die ehemaligen Klassenzimmer freigeben.

Details zum Angriff und den Opfern

Die Zerstörung der Shajareh-Tayyebeh-Schule ist mit konkreten Schicksalen verbunden. Unter den Opfern waren auch die beiden Söhne der 35-jährigen Samaneh Zarei, Aliakbar und Mohammadali, die zum Zeitpunkt ihres Todes erst neun und sieben Jahre alt waren. Die Mutter bewahrt bis heute persönliche Gegenstände ihrer Kinder auf, darunter einen Steckbrief, auf dem die Jungen ihre Vorlieben wie Fußball und das Gericht Ghormehsabzi notiert hatten. Die Schule selbst, die seit über einem Jahrzehnt an diesem Standort betrieben wurde, war in der Vergangenheit ein Gebäudekomplex der Islamischen Revolutionsgarde. Die Behörden vor Ort haben das zerstörte Areal mittlerweile in eine Art Gedenkstätte umgewandelt. Auf den Trümmerhaufen sind gerahmte Fotos der verstorbenen Kinder platziert worden, ergänzt durch alltägliche Gegenstände wie eine zerbeulte Aluminium-Trinkflasche oder einen Teppich aus einem der Klassenzimmer. Diese Inszenierung dient jedoch nicht nur dem Gedenken, sondern ist auch mit politischen Botschaften versehen. Ein Plakat mit der Aufschrift „Hier ist der Beweis für Amerikas Verbrechen“ markiert den Ort als politisches Instrument. Die klimatischen Bedingungen, mit Außentemperaturen von etwa 40 Grad, unterstreichen die Tristesse, während Hinterbliebene wie eine Frau, die angibt, nicht mit den Opfern verwandt zu sein, aber dennoch aus Anteilnahme weint, den Ort besuchen.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Eskalation im Februar war der Auftakt zu einem langwierigen und für die Bevölkerung extrem belastenden Krieg. Bereits kurz nach Kriegsbeginn und den ersten Angriffen auf die Hauptstadt Teheran wurden landesweit Schulen geschlossen. Auch in Minab wurden Eltern angewiesen, ihre Kinder aus der Schule abzuholen. Samaneh Zarei erinnert sich, dass sie erst nach dem Einschlag am Schulgelände eintraf und dort nur noch Zerstörung vorfand. Es war offensichtlich, dass in dem Trümmerfeld kein Kind unverletzt geblieben sein konnte. Die wirtschaftliche Lage im Iran, die bereits vor dem Krieg durch Sanktionen und Krisen geprägt war, hat sich im Verlauf der Auseinandersetzungen weiter verschlechtert. Berichte über eine katastrophale wirtschaftliche Situation und die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den Versprechungen der Regierung prägen das Bild. Die internationale Ebene des Konflikts ist ebenfalls präsent: Während die USA sich nicht eindeutig zu dem Vorfall in Minab geäußert haben, kam ein Bericht der Vereinten Nationen im September zu dem Schluss, dass die USA für den Angriff verantwortlich seien, und stufte den Vorfall als Kriegsverbrechen ein. Die Bevölkerung steht zwischen den Fronten eines Krieges, dessen Ende nicht absehbar ist.

Die betroffenen Akteure und Institutionen

Im Zentrum des Geschehens stehen die Familien der Opfer, die mit dem Verlust ihrer Kinder und Angehörigen leben müssen. Samaneh Zarei ist eine der Frauen, die stellvertretend für viele Hinterbliebene steht, die jeden Abend den Friedhof aufsuchen, um sich ihren verstorbenen Kindern nahe zu fühlen. Auf der anderen Seite agieren die lokalen Behörden in Minab, die das Schulgelände als Gedenkstätte hergerichtet haben und die politische Deutungshoheit über das Ereignis beanspruchen. Die Islamische Revolutionsgarde, deren Gebäudekomplex sich früher an diesem Ort befand, spielt eine zentrale Rolle in der Geschichte des Standorts. International sind die USA als die vom UN-Bericht benannte verantwortliche Partei und Israel als Akteur im Krieg gegen den Iran involviert. Die Vereinten Nationen haben mit ihrem Bericht vom September eine klare Position bezogen und den Angriff völkerrechtlich eingeordnet. Die Berichterstattung durch Medienvertreter, wie Benjamin Weber von der ARD, dokumentiert die Situation vor Ort und vermittelt die Perspektiven der Menschen, die unter den Folgen des Krieges leiden und den täglichen Kampf gegen Angst und wirtschaftliche Not führen.

Einordnung der Geschehnisse

Die Situation in Minab ist ein Beispiel für die komplexe Vermischung von privatem Leid und staatlicher Propaganda. Den Berichten zufolge ist die Schule nicht nur ein Ort der Trauer, sondern wird aktiv genutzt, um die Narrative des Regimes in Teheran zu stützen. Die Einordnung der Ruine als „Beweis für Amerikas Verbrechen“ zeigt, wie das Regime versucht, den Schmerz der Hinterbliebenen in politische Energie umzuwandeln. Einzuordnen ist das so, dass die Zerstörung ziviler Infrastruktur wie einer Schule im Kontext des Krieges eine hohe symbolische und moralische Aufladung erfährt. Während die USA die Verantwortung für den Angriff nicht explizit anerkennen, dient der UN-Bericht als wichtiges Dokument, um die völkerrechtliche Dimension des Vorfalls zu unterstreichen. Die Ängste der Überlebenden, wie sie Samaneh Zarei äußert, spiegeln die psychologische Belastung der iranischen Zivilgesellschaft wider. Die Angst vor einer weiteren Eskalation des Krieges ist allgegenwärtig und überschattet den Alltag. Die Tatsache, dass das Regime trotz der wirtschaftlichen Krise und des massiven Drucks von außen an seiner Haltung festhält, zeigt die verhärteten Fronten in diesem Konflikt, der für die Zivilbevölkerung kaum Hoffnung auf eine baldige Besserung bietet.

Offene Fragen und Lücken

Obwohl der Bericht viele Aspekte der Tragödie beleuchtet, bleiben einige Fragen unbeantwortet. Der Quelltext macht keine Angaben dazu, ob es nach dem UN-Bericht, der den Angriff als Kriegsverbrechen einstuft, zu diplomatischen Konsequenzen oder internationalen Sanktionen gegen die verantwortlichen Akteure gekommen ist. Ebenso bleibt unklar, welche konkreten Sicherheitsvorkehrungen oder Schutzmaßnahmen das Regime nach dem Angriff für andere Schulen oder zivile Einrichtungen getroffen hat, um eine Wiederholung zu verhindern. Auch die Frage nach der genauen Art der verwendeten Waffensysteme und der militärischen Zielsetzung des Angriffs auf den ehemaligen Standort der Revolutionsgarde wird nicht detailliert erörtert. Es wird nicht thematisiert, wie die internationale Gemeinschaft auf die Nutzung der Schule als Propagandastätte reagiert oder ob es Bestrebungen gibt, den Ort in eine neutrale Gedenkstätte umzuwandeln. Die langfristige psychologische Unterstützung für die Hinterbliebenen wird zwar in Form der Friedhofsbesuche angedeutet, doch eine offizielle staatliche oder internationale Hilfe für die Trauerarbeit wird nicht erwähnt. Schließlich bleibt offen, wie die US-Regierung auf die Vorwürfe des UN-Berichts reagiert hat, abgesehen von der allgemeinen Zurückhaltung bei der Stellungnahme zum Vorfall selbst.

Ausblick und weitere Entwicklungen

Die Zukunft der Hinterbliebenen und der Region bleibt ungewiss. Die Angst vor einer erneuten Eskalation des Krieges ist bei Menschen wie Samaneh Zarei tief verwurzelt, da sie um ihre verbliebenen Kinder fürchtet. Es gibt keine Anzeichen für eine kurzfristige Entspannung der Lage, weder militärisch noch wirtschaftlich. Die Schule in Minab wird vorerst als Mahnmal und Propagandabühne bestehen bleiben, während die täglichen Friedhofsbesuche der Angehörigen den fortwährenden Schmerz dokumentieren. Die politische Rhetorik des Regimes, die den Angriff als zentrales Element der Anti-US-Propaganda nutzt, deutet darauf hin, dass die Erinnerung an den Vorfall weiterhin instrumentalisiert wird. Da keine diplomatischen Lösungen in Sicht sind und die wirtschaftliche Lage als katastrophal beschrieben wird, ist davon auszugehen, dass der Alltag der Menschen in Minab weiterhin von Unsicherheit und der Sorge vor weiteren Angriffen geprägt sein wird. Die ausstehenden Entscheidungen der internationalen Gemeinschaft im Umgang mit den festgestellten Kriegsverbrechen könnten theoretisch den Druck erhöhen, doch im aktuellen Kontext des Iran-Krieges wirken solche diplomatischen Prozesse weit entfernt von der Realität der Betroffenen vor Ort.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/modell-eines-deutschen-panzers-aus-dem-zweiten-weltkrieg-auf-weissem-hintergrund-35546860/ · Foto: Matias Luge
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-minab-schule-angriff-100.html