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Platt schwätze verbindet Rhein und Hunsrück
Gelungener vierter Mundartabend im Kulturhaus Oberwesel
Viel Gelächter, aber auch nachdenkliche Mienen rief der diesjährige Mundartabend im Kulturhaus Oberwesel hervor. Die seit vier Jahren stattfindende und stets weit im Voraus ausverkaufte Veranstaltung hatte wieder voll den Nerv der Besucher getroffen. Standen bisher ausschließlich Oberweseler Autoren auf der Bühne, so hatten die Veranstalter diesmal auch dem Hunsrücker Zungenschlag ein Forum gegeben. Das Motto lautete deshalb „Uff’m Hunsrick un em Daal – Platt geschwätzt wird iewerall“. Moderatorin Irene Busch eröffnete den Abend wie gewohnt mit bester Laune und würzigen Bonmots. Kleine Wortgefechte mit den Mundart-Experten im Publikum gehörten da schon fast traditionell dazu. Dass sie aber auch als Autorin Klasse besitzt, bewies ihre kuriose „Übersetzung“ von Goethes „Veilchen“ ins Wiebelsheimer Platt.
Joe Schuck und Walter Persch trugen Texte in Oberweseler Platt vor und hatten manch humorvolle Anekdote in gekonnte Verse gefasst. Joe Schucks Schilderung eines kleinen Malheurs während einer „Nachtwächterführung“ rief Heiterkeitsstürme hervor, ebenso wie Walter Perschs Schilderung eines wahren Erlebnisses des unvergessenen „Bacchus“ Josef Vogel.
Als Vertreterin des Niederburger Platt stand erstmals Gerda Heidelmann auf der Bühne. Sie entwarf mit „Die Buwe“ ein liebevolles und unsentimentales Bild einer längst vergangenen Generation. Gab es bei den drastischen Schilderungen diverser Kindheitserlebnisse noch herzhaftes Lachen, so wurde es am Ende schließlich totenstill im Saal, als die eben noch sorglosen Jungen ihr Leben im Krieg lassen mussten.
Ein auf die Leinwand projizierter Brief aus Brasilien gab anschließend Rätsel auf. Wenn ein deutschstämmiger Brasilianer, der als Schriftsprache nur Portugiesisch gelernt hat, seinen heimischen deutschen Dialekt zu Papier bringen soll, ergibt sich eine sehr spezielle Schreibweise, die Irene Busch gemeinsam mit dem Publikum entschlüsselte.
Die Kulturhaus-Chefin hatte im Übrigen alle Hände voll zu tun: Neben der Moderation und eigenen Vorträgen präsentierte sie spontan auch die Textauswahl des kurzfristig erkrankten Wiebelsheimer Autors Alfons Escher. Seine Schilderung eines „Schlachtdaach“ entwarf ein anschauliches Bild des dörflichen Alltags in früherer Zeit. Einmal mehr wurde hier deutlich, wie mit dem Verschwinden früher selbstverständlicher Tätigkeiten wie der Hausschlachtung auch eine große Zahl spezifischer Mundart-Wörter in Vergessenheit gerät.
Abgerundet wurde das Programm von Elfriede Karsch aus Waldböckelheim mit der Mundart des südlichen Hunsrücks und Josef Peil aus Mastershausen mit Pleizenhausener Platt. Die Hunsrücker „Berühmtheiten“, er Begründer, sie Vorsitzende der Autorengruppe Hunsrück, sind beide erfolgreiche Buchautoren und glänzten mit augenzwinkernden Weisheiten und reichlich Mutterwitz. Lachstürme und die berechtigte Forderung nach Zugaben waren der Lohn.
Peils abschließende Feststellung, dass es zumindest in Sachen Mundart keine trennende Linie, sondern vielmehr eine Fülle von Gemeinsamkeiten zwischen Rhein und Hunsrück gibt, löste zustimmendes Kopfnicken im Saal aus. Ein gelungener Abend, bei dem die begeisterten Zuschauer nicht passive Betrachter, sondern aktive Mitwirkende waren.
Pressekontakt: Kulturhaus Oberwesel (info[at]kulturhaus-oberwesel.de)
www.kulturhaus-oberwesel.de
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